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Schreibmaschine mit einem eingespannten Blatt Papier darin

Warum gute Geschichten Zeit brauchen

Sascha Dinse, goth as fuck :P Schriftsteller Horror und Science-Fiction

Da sitze ich also hier und versuche, das Ende einer Geschichte zu Papier zu bringen. Ich weiß in der Tat bereits, wie die Geschichte enden wird, aber der Weg dahin … der ist beschwerlich. Schließlich soll ja alles passen, rund sein, nichts vorwegnehmen, trotzdem schon Anspielungen enthalten, Twists bieten, keine Plotholes erzeugen und so weiter. Jaja, kaum hat man einen gewissen Anspruch an sich selbst, werden alle Dinge komplizierter. Vor allem dauern sie länger. Die Geschichte, an der ich gerade arbeite, „Ex inferis“, ist ein schönes Beispiel dafür. Die Grundidee war recht simpel, doch mit der Zeit entwickelten sich Stränge, quasi von selbst, als hätte die Geschichte selbst sie hervorgebracht. Allein darüber könnte ich schon wieder eine Geschichte schreiben. Aber lassen wir das. Nun ja, es beginnt mit einer Grundidee, diese wird dann aufgeschrieben, eine Geschichte entsteht. Und dann kommt er, dieser magische Moment, in dem sich alles umdreht, in dem alles plötzlich so viel mehr wird, als es vorher war. Ich liebe und hasse diesen Augenblick, denn zum einen bedeutet er zwar, dass von nun an die Geschichte komplex und vielschichtig wird, zum anderen beginnt aber ab hier der anstrengende Teil. Wenn dir deine Lektorin dann schreibt, dass sich von der 80%-Version der Geschichte vollkommen begeistert ist, dann macht es die Aufgabe, einen vernünftigen Schluss zu schreiben, nicht gerade einfacher, besonders wenn man selbst sein größter Kritiker ist.

Wenn es nicht lange dauert, ist es nicht gut

Ja, so simpel könnte ich es ausdrücken. All meine Geschichten brauchen eine gewisse Reifephase, in der ich sie besser mache, zu mehr, als sie vorher waren. Ob nun in „Endstation“, das zum Ende hin zu einer ultra-philosophischen vielschichtigen Geschichte mit Metaplot wurde, wobei es als recht lineare Idee begann, oder „Isabelle“, an der ich insgesamt über ein Jahr gearbeitet habe (mit großzügigen Pausen, gebe ich zu).

„Ex inferis“ nun ist genau so ein Beispiel. Von der ursprünglichen Idee hat die Geschichte sich immer mehr entfernt und gerade heute wurde mir klar, wie ich mich in Richtung Ende bewegen muss. Ich kann versprechen, dass es diesmal ein wirklich böses Ende wird. Auch wenn ich überwiegend Horror schreibe im Moment, enden die Geschichten doch oft mit einer positiven Note, also irgendwie. Ich kann nachvollziehen, dass die Leser*innen diese Ansicht nicht unbedingt teilen, aber ich verbinde mit den meisten Geschichten, allen voran „23b“ durchaus ein positives Ende. Aber das ist wohl Geschmacksache.

Das Ende ist das, worauf es ankommt

Gerade in Horrorgeschichten ist das Ende meist das, was dem Leser später noch im Gedächtnis bleibt. Umso wichtiger ist es, ein angemessenes, überraschendes und doch schlüssiges Ende zu finden. Klingt einfach. Ist aber schwer. Denn wie soll ich etwas beenden, das sich meiner Kontrolle zum einem gewissen Teil entzieht? Ich weiß, wie „Ex inferis“ enden wird, aber die letzten vier, fünf Seiten sind die schwersten. Es soll düster sein, nicht zuviel verraten, gleichzeitig aber nicht so undurchsichtig sein, dass niemand es versteht. Das ist bei weitem schwieriger, als es klingt.

Und so heißt es dann morgen, die Ideen zusammenzufügen zu einem Ende, das der Geschichte würdig ist. Irgendwie ist es aber so, als würde man etwas verlieren, wenn man eine Geschichte beendet. Solange man daran arbeitet, ist man Teil davon. Sobald sie aber fertig ist, ist man nur noch Betrachter. Das mag seltsam klingen, aber ich glaube, das ist ein Teil meines Problems. Ich kann schlecht loslassen, besonders, wenn es sich um etwas handelt, das direkt von mir stammt.

Aber natürlich wird auch „Ex inferis“ genau das richtige Ende bekommen. Es ist eben nur eine Frage der Zeit.

Sascha Dinse liest auf dem DARKERKANT Kunstfestival in Hamburg am 13.10.2017

Ich lese am 13.10.2017 in Hamburg

Liebe Freund*innen der düsteren Unterhaltung, ich werde mal wieder lesen. Ja, wird Zeit, werdet ihr sagen, meine letzte Lesung auf dem WGT 2017 liegt nun auch schon wieder eine ganze Weile zurück.

Hamburg also, diese Stadt, in die ich aus rein privaten Gründen nur dann einen Fuß setze, wenn es sein muss (siehe auch: Kram, emotionaler). Aber für die Kunst, hey, mache ich das natürlich. Am 13.10.2017 werde ich im Rahmen des „DARKERKANT“-Kunstfestivals lesen (hier findet ihr mehr Informationen zur Grundidee des Ganzen). Das Ganze findet auf der „CAP SAN DIEGO“ statt. Das klingt nicht nur wie ein Schiff, es ist eins! Für eine Lesung könnte der Ort also nur dann noch passender sein, wenn ich Piratengeschichten schriebe. Keine Sorge, das wird nicht passieren.

Liste der Künstler beim Darkerkant in Hamburg, u.a. Sascha Dinse

’ne Lesung auf ’nem Schiff? Will ich!

Klar, Karten kaufen kann man direkt hier. Achtet darauf, dass die Veranstaltung über zwei Tage geht. Ich lese am 13.10.2017, just saying ^^

Da wir ja heute mit diesem Internetz über moderne Möglichkeiten verfügen, hier auch noch der Trailer zum Event:

Was wird’s von mir in Hamburg zu hören geben?

Ich werde aus „Ex inferis“ lesen, einer aktuellen Geschichte aus meiner Feder. Die Pariser Katakomben spielen eine Rolle, es wird wirklich gruselig und wie gewohnt auch richtig schräg. Anders als in meinen sonstigen Geschichten steht hier nicht der „Urban Horror“ im Vordergrund, sondern gewissermaßen klassischer Grusel, wenn man das so nennen will. Schauplatz ist Paris, zur Zeit der Weltausstellung 1889, es wird also historisch.

Und Zwillinge spielen eine Rolle. Als ob die Geschichte nicht auch so schon gruselig genug wäre. Für Albträume im Nachgang übernehme ich keine Haftung.

Auszug aus "Ex inferis" von Sascha Dinse
3D-Grafik von Andreas Schwietzke, Cover der Anthologie "Inspiration"

„Inspiration“ – Grafik trifft Geschichten

So, die nächste Veröffentlichung steht in den Startlöchern. Diesmal von meiner Seite kein Horror, sondern Science-Fiction. Naja, gruselig ist es stellenweise schon, aber die philosophischen Sci-fi-Elemente überwiegen. Doch bevor ich zu einer kurzen Beschreibung meiner Geschichte „Alioth“ komme, erst mal ein paar einführende Worte zur „Inspiration“.

Ja, „Inspiration“ heißt die Geschichtensammlung, die von Herausgeberin Marianne Labisch (mit der ich schon mehrfach sehr konstruktiv für das Lektorat von Geschichten zusammengearbeitet habe) zusammengestellt wurde. Basierend auf Grafiken von Andreas Schwietzke (hier geht’s zu seinem Facebook-Profil, da findet ihr auch mehr Bilder), aus denen sich die teilnehmenden Autoren eines aussuchen sollten, entstand ein Band, der Bilder und Geschichten enthält. Auf den Motiven der Bilder basierend, aber ohne weitere Einflussnahme oder Vorgaben vonseiten des Künstlers, sollten die Autoren Geschichten schreiben.

Tja, ich suchte mir ein Bild namens „Alioth“ aus (das findet ihr hier) und begann damit, einen Plot zu stricken, der mir beim Betrachten des Bildes in den Sinn kam. Irgendwas düsteres, einsames sollte es werden, und was soll ich sagen, das ist es geworden.

zitat aus "alioth" von sascha dinse

„Alioth“ ist eine für mich typische Sci-fi-Geschichte: reduziert auf das Wesentliche, in sich eher philosophisch als actionlastig, mit den üblichen verwirrenden Sprüngen, die natürlich am Ende ein großes Ganzes ergeben – inklusive Twist am Ende. Ich habe es mir nicht nehmen lassen, in „Alioth“ kleine Eastereggs einzubauen, die aber nur Mensch*innen verstehen werden, die mit mir W40K spielen ^^ Ich habe mich bemüht, den Twist am Ende möglichst unvorhersehbar zu machen, und hoffe, dass mir das gelungen ist. Wie immer muss man beim Lesen mitdenken, um zu verstehen, was eigentlich geschieht. „Alioth“ spielt in diesem Zusammenhang eine Rolle, nicht nur als der Stern im Sternbild Großer Bär, sondern als etwas, das unbeschreiblich ist. Ihr werdet sehen …

Natürlich kann ich nicht wissen, welche Inspiration Schwietzke hatte, als er sein „Alioth“ schuf. Doch ich empfand gleich eine gewisse Verbindung zu dem Bild, da ich ohnehin irgendwo in meinem Kopf die Idee zu einer Geschichte hatte, die Einsamkeit und Verlust thematisieren sollte. Ich bin sehr gespannt auf die anderen Geschichten in der Anthologie, da ich weder weiß, welche anderen Bilder, noch welche anderen Autor*innen vertreten sind. Von meiner Seite aus also gruselige Science-Fiction, mal sehen, was die anderen so beigesteuert haben.

Die Bilder- und Geschichtensammlung „Inspiration“ (ein durchaus treffender Titel, denn genau darum geht es ja) soll im Herbst 2017 erscheinen. Parallel erscheint ein Band mit Interviews zwischen dem Künstler und der Herausgeberin, in dem sich beide über die Umsetzung der Bilder in Geschichten unterhalten. Selbstverständlich findet ihr weitere Informationen hier auf dem Blog, sobald die Bände erschienen sind.

Zwielicht 10 ist erschienen und enthält „Isabelle“

Zum nunmehr dritten Mal habe ich eine Geschichte im „Zwielicht“-Horrormagazin unterbringen können. Nach „23b“ in „Zwielicht 5“ und „Endstation“ in Nummer 8 hat es nun meine „Isabelle“ in die Jubliäumsausgabe geschafft. Ich freue mich sehr und bin gespannt, ob meine bislang blutigste Geschichte an die Erfolge ihrer Vorgängerinnen, die beide äußerst positiv aufgenommen wurden, anzuknüpfen vermag.

Zwielicht X ist als Print- und E-Bookausgabe erhältlich, u.a. bei Amazon.

cover zwielicht x horroranthologie

Wie üblich bietet auch die zehnte Ausgabe des Zwielicht-Magazins vielseitigen Horror, sei es nun eher misanthropisch-zynisch wie in meiner „Isabelle“ oder gesellschaftskritisch wie in „Inser der Glückseligen“ oder ziemlich psycho wie in „Mona“ – geneigte Leser*innen werden hier mit Sicherheit auf ihre Kosten kommen.

inhaltsverzeichnis zwielicht x horroranthologie

Hier schon mal ein kleiner Vorgeschmack auf „Isabelle“:

beginn der horrorgeschichte "isabelle" von sascha dinse, enthalten in der zwielicht x horroranthologie

Ich wünsche schaurige Unterhaltung!

 

glühlampe auf schwarzem hintergrund

COMING SOON: „Aus finstrem Traum Vol.1“ Geschichtensammlung

Seit einer Weile schon plane ich die Veröffentlichung meiner ersten „eigenen“ Publikation, also abseits von Anthologien, in denen ich nur ein Autor unter vielen bin. Nun bin ich endlich soweit, verlautbaren zu können, dass die Geschichten für Vol.1 feststehen und (tadaa!) bis auf zwei auch fertig geschrieben sind. „Ex inferis“ und „Charlotte“ sind aber auch so gut wie fertig, von daher ist es durchaus realistisch, wenn ich hier ankündige, dass Vol.1 noch diesen Herbst erscheinen wird.

Sascha Dinse, goth as fuck :P Schriftsteller Horror und Science-Fiction

Welche Geschichten werden enthalten sein?

Ich stelle sie euch im Folgenden kurz vor, ohne Spoiler natürlich.

„23b“

Seine Nachbarn kann man sich nicht aussuchen. Doch Jill, die nebenan in Apartment 23b einzieht, scheint wirklich ganz nett zu sein. Wären da nicht einige ziemlich bizarre Dinge, die in den folgenden Tagen ihren Lauf nehmen. Und was zur Hölle ist in diesem Koffer unter dem Bett?

Mein „23b“ erschien in „Zwielicht 5“, schaffte es 2014 zu einer Nominierung für den Vincent-Preis (jaja, Spitzenwortspiel) und belegte dort den sechsten Platz in der Kategorie Kurzgeschichten.

„Alioth“

Eine Mission, von der es keine Wiederkehr gibt, irgendwo tief im All. Was die vierköpfige Crew zu tun hat, ist zu wichtig, als dass das Leben eines Einzelnen ins Gewicht fiele, geht es doch um nichts Geringeres als das Schicksal der Menschheit. Doch was, wenn man die Chance erhielte, das, was verloren ist, zurückzubekommen? Was wäre man bereit zu tun, um die zu retten, die man mehr als alles liebte?

„Alioth“ ist eine düstere und melancholische Geschichte, die ich zwar zur Science-Fiction zähle, die aber ebenso Horrorelement und die für mich typischen surrealen Elemente enthält.

zitat aus "alioth" von sascha dinse

„Jahrestag“

Im Grunde ist „Jahrestag“ eine romantische Geschichte. Wäre da nicht das kleine Detail, dass Halloween vor der Tür steht, und das bedeutet, dass es Zeit für ein neues Opfer ist.

Die kürzeste Geschichte in der Sammlung, gleichzeitig offenbar beliebt. Immerhin wurde „Jahrestag“ schon in drei Anthologien veröffentlicht.

„Das Alison-Szenario“

Als Jonas im Frachtraum des Forschungsraumschiffs „Johannes Kepler“ erwacht, scheint niemand außer ihm an Bord zu sein. Lediglich „Ark“, die künstliche Intelligenz des Schiffs ist übrig, um gemeinsam mit Jonas herauszufinden, was vorgefallen ist. Die Reise durch das gigantische Schiff birgt die eine oder andere schockierende Erkenntnis … für beide Protagonisten.

„Endstation“

Stark von philosophischen Elementen inspiriert, mit autobiographischen Versatzstücken angereichert und mit voller Absicht so konstruiert, dass man die Geschichte mindestens zwei Mal lesen muss, um sie vollständig zu erfassen – das ist „Endstation“. Die Horrorgeschichte erschien in „Zwielicht 8“ und wurde dort sehr gut aufgenommen.

„Susan“

Dass ich oft Elemente aus meinem Leben in Geschichten verarbeite, ist weder ein Geheimnis, noch überraschend. „Susan“ ist dennoch eine besondere Geschichte für mich, da hier viele verschiedene Elemente kombiniert werden, Sci-fi und Horror zum einen, persönliche Motive zum anderen. Komplex, gruselig, zum Mitdenken.

„Isabelle“

Gerade ganz frisch (Juli 2017) in „Zwielicht X“ erschienen, bringt natürlich auch „Isabelle“ alle Elemente mit, die ich gern in meine Geschichten einbaue: urbane Bezüge, Dialoge mit Hintergrund, die eine oder andere Wendung, ziemlich viel Blut (im Vergleich zu sonst) und ein Ende, das die Leser*innen sicher nicht kalt lassen wird.

Ich bin sehr gespannt, wie „Isabelle“ in „Zwielicht X“ aufgenommen wird.

zitat aus "isabelle" von sascha dinse

„Ein neuer Morgen“

Aber nun zu etwas völlig anderem: Fantasy. Ja, richtig gelesen, sowas schreibe ich auch. Sehr selten, aber warum nicht. „Ein neuer Morgen“ entstand schon vor längerem für eine Fantasy-Anthologie, ist aber dennoch meinen sonstigen Geschichte ähnlich. Der Aufbau, das Springen zwischen Orten und Zeiten, die Auflösung des Ganzen … wer sonst nur meine Horror- oder Sci-fi-Ausflüge kennt, sollte dem hier eine Chance geben. Für meine Verhältnisse ziemlich romantisch.

„Ex inferis“

Wahrnehmung und Wirklichkeit sind nicht immer kongruent. Das stellt auch der Protagonist in „Ex inferis“ fest, als er mit Frau und Kind einen Ausflug nach Paris unternimmt, natürlich inklusive Besuch in den Katakomben. Es heißt, dass niemand von dort unten als der Mensch zurückkehrt, der er vorher war. Da ist etwas dran, wie sich zeigen wird …

„Charlotte“

Inspektor Finnigan ist im Channard-Institut für Geisteskrankheiten auf der Suche nach einer verschwundenen Patientin. Schritt für Schritt bringt er Licht an diesen dunklen Ort, doch was er findet, übersteigt sein Vorstellungsvermögen bei weitem.

So, und jetzt entschuldigt mich, ich muss schreiben …

Saal mit gepolsterten Stühlen, vielleicht ein Theater

Mal was anderes … ich schreibe ein Theaterstück!

Kurzgeschichten, Gedichte, irgendwann mal ein Roman – das sollte jetzt niemanden überraschen. Das mache ich durchaus und kann auch schon die eine oder andere Referenz nachweisen (naja, bis auf den Roman, aber der kommt noch). Nun aber mache ich etwas für mich gänzlich Neues: Ich schreibe ein Theaterstück! Und zwar für das „Theaterpack“ aus Leipzig. Ja, die heißen wirklich so.

Saal mit gepolsterten Stühlen, vielleicht ein Theater

Worum geht’s dabei? Das „Theaterpack“ veranstaltet dann und wann Krimidinners, bei denen natürlich ein Plot für ein Theaterstück benötigt wird. Ich freue mich sehr über die Möglichkeit, meine Talente in diesem Bereich mal auszuprobieren. Meine Geschichten sind oft ohnehin so angelegt, dass ich eine Drehbuchversion im Hinterkopf habe beim Schreiben. Wie schwer kann es also sein, ein Theaterstück zu schreiben … naja, mal sehen 😛 Eine Idee habe ich, einen Plot mit Charakteren baue ich gerade, die üblichen kleinen Details, Twists etc. werden natürlich auch nicht fehlen. Aber für ein Ensemble von vier Schauspielern und für eine öffentliche Aufführung vor Publikum zu schreiben ist dann doch was anderes, als eine Kurzgeschichte zu verfassen, die in meinem kleinen Universum stattfindet und in der ich keine Rücksicht auf Nachvollziehbarkeit oder gar sowas wie ein Happy-End nehmen muss. Ja, ein nicht allzu düsteres Ende ist explizit erwünscht, immerhin sollen die Gäste ja nicht vollkommen deprimiert aus der Veranstaltung gehen. Das würde ich hinkriegen, keine Frage.

Anders als bei einer meiner Geschichten, bei denen ich es ja oft darauf anlege, die Leser*innen herauszufordern, auch auf die Gefahr hin, dass vielleicht nicht jede Nuance der Geschichte so verstanden wird, wie ich sie gemeint habe, dass vielleicht bestimmte Elemente nicht einmal entdeckt werden. Bei einem Theaterstück ist für mich die größte Herausforderung, den richtigen Mittelweg zwischen versteckten Anspielungen und einer größtmöglichen Zugänglichkeit zu finden.

Die Uraufführung soll, wenn ich mich recht erinnere, im November 2017 stattfinden, es wird dann wohl an mehreren Orten gespielt. Ich bin wirklich aufgeregt und möchte natürlich die bestmögliche Leistung abliefern. Das bedeutet in den nächsten Tagen erstmal Plotten, die Charaktere runder machen und natürlich an der Story feilen, damit sie spannend, überraschend und dennoch nachvollziehbar ist. Auf die für mich typischen Erzählsprünge muss ich hierbei verzichten, mal sehen, wie gut ich darin bin, etwas vergleichsweise Lineares zu schreiben. Und das mit dem Happy-End wird wirklich schwierig …

Sascha Dinse hält die Zwielicht-Single 1 in Händen. Diese enthält von ihm die Horrorgeschichten "Isabelle" und "Endstation"

„Isabelle“ und „Endstation“ im Print-Doppelpack

Zwielicht Single Sascha Dinse

Klick führt zu Amazon

Ich freue mich außerordentlich (und das ist wirklich selten), dass zwei meiner Geschichten quasi spontan gerade als Print erschienen sind. In Vorbereitung auf die Jubiläumsausgabe der „Zwielicht“-Anthologie, nämlich Nr. 10 derselben, und auf meine Lesung am 3.6.2017 auf dem WGT in Leipzig hat sich der Verleger entschlossen, kurzerhand eine Art Singleauskopplung aus der Antho auf den Markt zu bringen. Die A-Seite ist meine „Isabelle“, die auch in „Zwielicht 10“ enthalten sein wird, die B-Seite bildet meine „Endstation“, die bereits in „Zwielicht 8“ zu lesen war.

Zusammengenommen bieten beide Geschichten ca. 80 Seiten bizarrer, spannender Twists und das eine oder ander WTF?-Ereignis. „Isabelle“ ist dabei deutlich gemeiner und gewalthaltiger als „Endstation“, was eher eine philosophische Note mitbringt.

Achso, ja, KAUFEN kann man das Ganze natürlich auch.

Auf meiner Lesung in Leipzig wird es ebenfalls die Möglichkeit geben, ein Exemplar käuflich zu erwerben, natürlich gern auch mit persönlicher Widmung 🙂

Sascha Dinse liest aus "Isabelle", Horrorgeschichte, auf dem WGT2017 in Leipzig

Lesung aus „Isabelle“ am 03.06.2017 in Leipzig

Nachdem ich bereits letztes Jahr von der großartigen Luci van Org eingeladen wurde, im Rahmen einer Veranstaltung des VEID e.V. auf dem WGT in Leipzig zu lesen, freue ich mich sehr, auch dieses Jahr wieder mit von der Partie sein zu dürfen.

Am 03.06.2017 von ca. 16:00 Uhr bis 16:40 Uhr (sofern alles pünktlich läuft), werde ich einige Passagen aus „Isabelle“ lesen. Für die Teilnahme an der Veranstaltung ist kein WGT-Ticket nötig, darüber hinaus ist der Eintritt frei. Es gibt also keine Ausrede, nicht dabei zu sein ^^

Genauere Informationen zum Ort der Lesung findet ihr in der Veranstaltung auf Facebook.

Die Geschichte erscheint höchstwahrscheinlich in etwa zeitgleich in der Anthologie „Zwielicht 10“. Sowohl Verleger als auch Lektorin bescheinigten mir, dass die Geschichte „ein wenig krank“ (Verleger) bzw. „schon sehr krass“ (Lektorin) sei, was ich einfach mal als Gütesiegel ansehe, da beide sich sehr beeindruckt zeigten.

Hier ein kleiner Teaser zu „Isabelle“ (Klick führt auf eine externe Seite):

Isabelle

Wie in meinen Geschichten üblich, spielt auch „Isabelle“ mit der Wahrnehmung des Protagonisten und damit auch der der Leser*innen. Verworrene, nicht unbedingt in der chronologisch korrekten Reihenfolge abgelegte Erzählfragmente, die aber in sich eine geschlossene Geschichte erzählen, wobei bewusst einige Elemente offen gehalten sind, spinnen den Plot, damit Leser*innen sich selbst die Hintergründe zusammenbauen können. Oder müssen.

Für meine Verhältnisse ist die Geschichte sehr splatterlastig ausgefallen, was aber lediglich bedeutet, dass es die eine oder andere exzessive Szene gibt, ohne das alles nur in Blut ertränkt würde. Selbstzweckhafte Gewalt ist für mich kein erzählerisch reizvolles Element, vielmehr setze ich derartige Szenen nur dann ein, wenn sie für die Handlung eine gewisse Relevanz haben. Und das, liebe Leserinnen und Leser, haben sie, soviel kann ich verspreche. Wer schon mal etwas von mir gelesen hat, weiß vielleicht, dass meine Geschichten immer eine Art Metaplot beinhalten, eine Geschichte unter der Oberfläche quasi, die sich erst entfaltet, wenn man die Bruchstücke selbst zusammensetzt. Ja, ich fordere meine Kundschaft. Entspanntes „mal-so-nebenbei-lesen“ gibt’s bei mir nicht. „Isabelle“ enthält sogar die erste (Trommelwirbel!) Sex-Szene, die ich je geschrieben habe. Natürlich ist auch diese nicht ganz das, was man anfangs vielleicht erwartet … „bizarr“ trifft es vielleicht ganz gut. Im Kontext der Geschichte fügt sie sich jedoch nahtlos ein, und hat selbstverständlich eine tiefere Bedeutung, die jede/r Leser*in aber für sich selbst herausfinden muss.

Wie schon in „Endstation“ oder „Alioth“ ist das eigentliche Grundthema überhaupt kein gewalttätiges, sondern eher eine philosophische Sichtweise. Gut, ich gebe zu, dass ein gewisser misanthropischer Zynismus wie auch in vielen meiner anderen Geschichten ein tragendes Element ist. Ich wohne in Berlin, da bleibt das wohl nicht aus. Ich baue gern Anspielungen und versteckte Zitate in meine Geschichten ein, die dem Kenner noch ein wenig mehr über die Hintergründe offenbaren, ohne den Laien ratlos dastehen zu lassen.

Ich freue mich auf euer Erscheinen in Leipzig und fiebere dem Termin entgegen, um „Isabelle“ endlich einem größeren Publikum vorstellen zu können.

Zitat aus der Kurzgeschichte "Isabelle" von Sascha Dinse, Horror

Was „Isabelle“ mit „Crash“ und „Lost Highway“ zu tun hat

First things first. Ich freue mich außerordentlich, dass meine „Isabelle“ es zu einer Veröffentlichung in der Jubiläumsausgabe der deutschen Horroranthologie „Zwielicht“ (nämlich in „Zwielicht 10“) geschafft hat. Nach „23b“ und „Endstation“ liefere ich nunmehr meine dritte Kurzgeschichte in der Anthologiereihe ab. Und, soviel kann ich versprechen, wem die anderen beiden gefallen haben, der wird auch seinen Spaß mit „Isabelle“ haben. Blutiger, kranker und sogar noch zynischer als die Vorgängerinnen, erlaubt „Isabelle“ einmal mehr den Blick in meine inneren Abgründe. Was in der Tat dazu führt, dass Freunde, die „Isabelle“ schon testlesen durften, sich wirklich die Frage stellen, ob meine Gesellschaft nicht doch irgendwie gefährlich ist …

Zitat aus der Kurzgeschichte "Isabelle" von Sascha Dinse, Horror

Inspiration und ihr Einfluss auf „Isabelle“

Aber was hat denn nun eine meiner Kurzgeschichten mit Filmen zu tun? „Crash“ von David Cronenberg und „Lost Highway“ von David Lynch sind nicht nur zwei meiner absoluten Lieblingsfilme, sondern lieferten maßgebliche Inspiration zu „Isabelle“. Das äußert sich in diesem Fall nicht in offensichtlichen Anspielungen, vielmehr in Grundmotiven. So gibt es in „Lost Highway“ eine Stelle, an der der Hauptcharakter sagt, dass er sich an Dinge lieber so erinnert, wie er möchte, nicht unbedingt so, wie sie wirklich passiert sind. Und, Überraschung, in vielen meiner Geschichten geht es ja um genau so etwas. Auch in „Isabelle“. Der Horror schleicht sich langsam an, anstatt sofort aus dem Gebüsch zu springen.

Trailer „Lost Highway“

Auch Cronenbergs „Crash“ stand maßgeblich Pate für die Stimmung in „Isabelle“. Menschen, die einen, sagen wir, sehr speziellen Stimulus suchen, geraten tiefer und tiefer hinein in einen bizarren Strudel von Ereignissen. Und der letzte Satz in „Isabelle“ ist dann doch sehr, sehr nah dran am letzten Satz in „Crash“, der auf ähnliche Art endet.

Trailer „Crash“

Das ist alles kein Zufall

Wer mich und meine medialen Vorlieben kennt, findet in meinen Geschichten ohnehin jede Menge Anspielungen: Der „kalte Tag in der Hölle“, von dem in „Endstation“ die Rede ist, stammt beispielsweise aus dem Computerspiel „Max Payne“, wo ein Level entsprechend benannt ist. Die Sequenz mit dem Telefonanruf aus der Metro bezieht sich wiederum auf eine ähnliche Stelle in „Lost Highway“. Und dass der Arzt in „Charlotte“ Dr. Channard heißt, ist natürlich ebenso kein Zufall. Google that …

Sofern „Isabelle“ in gedruckter und digitaler Form das Licht der Welt erblickt, werde ich hier natürlich darüber berichten.

auge schwarz weiß nahaufnahme

„Funken“ – Kurzgeschichte

auge schwarz weiß nahaufnahme

Drei Wochen ist es jetzt her, dass man die Leichen des Ehepaars Peterson fand. Ein Freund der Familie hatte den beiden einen Besuch abstatten wollen und fand stattdessen ein Bild des Grauens. Sein gellender Schrei weckte die Hausbewohner und noch Minuten später hatte er sich nicht beruhigt, brüllte und heulte wie von Sinnen, so dass trotz später Stunde bald das ganze Haus auf den Beinen war. Irgendwann beruhigte er sich und saß regungslos auf der Treppe zur ersten Etage, die Augen starr ins Nichts gerichtet. Die Nachricht verbreitete sich in Windeseile und noch bevor Polizei und Krankenwagen vor Ort waren, hatte sich die gesamte Hausgemeinschaft unten in der Eingangshalle zusammengefunden, um zu tratschen, zu spekulieren und nach Schuldigen zu suchen.

Ms. Eggleston aus der Dritten schwor Stein und Bein, am Abend eine schwarze Gestalt im Hausflur gesehen zu haben. Niemand nahm die Worte der alten Dame ernst. Wie glaubwürdig konnte jemand sein, der seit Urzeiten ohne Mann und Familie lebte? Noch dazu erzählte sie hin und wieder Geschichten über Geräusche in den Wänden und ähnlichen Unsinn. Mr. Michaels, der griesgrämige Kriegsveteran, forderte bewaffnetes Personal zur Bewachung des Gebäudes, worauf hin ein lautstarker Streit über den Sinn und Unsinn von Schusswaffen entbrannte.

Es war also alles wie immer, wenn dergleichen Dinge in der Solomon Street 124 geschahen.

Als die Polizei kam und die Wohnung betrat, herrschte gespannte Stille unter den Zaungästen in der Eingangshalle. Mit angehaltenem Atem lauschte man, was da oben wohl vor sich ging. Man hätte die sprichwörtliche Stecknadel fallen hören können. Als sich der erste Beamte bereits kurz nach Betreten der Wohnung lautstark erbrach, rauschte nacktes Entsetzen wie eine Welle durch die Menge. Getuschel, Bekreuzigungen, das volle Programm. Die versteinerten Gesichter der Polizisten, die professionell gespannte Miene des Gerichtsmediziners und vor allem die absolute Stille während des Abtransports der Leichen verliehen der Situation etwas Gespenstisches. Nicht nur, dass dort oben zwei Menschen zu Tode gekommen waren, der Zustand der Leichen musste besonders grauenerregend gewesen sein.

Als die toten Körper und der noch immer apathisch vor sich hin starrende Besucher abtransportiert waren, kehrte Ruhe ein.
Die Wohnung der Petersons war mit Klebeband und einem Amtssiegel verschlossen worden, nachdem die Spurensicherung ihre Arbeit dort erledigt hatte. Neugierige Hausbewohner schlichen über den Flur der sechsten Etage, als würden sie erwarten, dass die Tür sich wie von Geisterhand öffnen und ihnen einen Blick hinein ermöglichen würde. Natürlich geschah das nicht.

Die Befragung der Hausbewohner begann früh am nächsten Morgen. Systematisch arbeiteten sich die Polizisten von unten nach oben vor, stellten Fragen, machten Notizen, versuchten mitfühlend zu wirken. Gesehen hatte niemand etwas, wenn man von Ms. Eggleston absah, ebenso war keinem der Bewohner etwas Ungewöhnliches aufgefallen. Die Petersons wurden als harmonisches altes Ehepaar beschrieben, die keiner Fliege etwas hätten zuleide tun können. Unvorstellbar, dass der alte Peterson zuerst seine Frau und danach sich selbst auf bestialische Art und Weise umgebracht haben sollte. Nach ein paar Stunden verließen die Beamten das Gebäude, ohne eine Erklärung oder auch nur grundlegende Erkenntnisse zu den Umständen der Tat gefunden zu haben. Die Zeitungen erwähnten den bedauerlichen Todesfall, schwiegen sich aber über Details aus.

Bereits wenige Tage danach hatte die Wohnung der Petersons einen neuen Mieter. Ein Künstler musste er sein, Schriftsteller wahrscheinlich, zumindest dem Anschein nach. Gerüchten zufolge wollte er über die Vorfälle im Haus recherchieren, um einen Roman darüber zu schreiben. Jonah Myers war sein Name.
Die nächsten Tage verliefen ruhig, beinahe hatte man vergessen, dass hier unlängst zwei Menschen ermordet worden waren. Familien riefen ihre Kinder zum Essen, das Pärchen aus der Ersten stritt lautstark, um danach noch lauteren Sex zu haben, der Fahrstuhl war defekt und wurde repariert, einmal fiel für einige Stunden der Strom aus. Es sei ein altes Gebäude, meinte der Hausmeister, da wäre so etwas nicht ungewöhnlich.

Und dann fand man Ms. Eggleston tot in der Waschküche, mit einer Wäscheleine erhängt. Sie hatte sich auf einen der Plastikstühle gestellt, die Wäscheleine an einem Rohr unter der Decke befestigt, sich die Schlinge um den Hals gelegt und war gesprungen. Die junge Mutter aus der Zweiten gab später glaubhaft zu Protokoll, Ms. Eggleston hätte sie aus ihren toten Augen angestarrt, als sie die Waschküche im Keller betrat. Nach Aussage des Gerichtsmediziners konnte ein Fremdverschulden ausgeschlossen werden. Selbstmord also. Nicht ungewöhnlich in diesen Tagen. In der Wohnung der Toten wurde dann deutlich, wie es um den Geisteszustand der alten Frau bestellt gewesen sein musste. Die Tapeten waren von den Wänden gerissen, stattdessen hatte sie alles akkurat mit gelbem Klebeband versiegelt. Böden, Decken, alles. Selbst die Fliesen im Bad hatte sie mit einem Hammer herausgeschlagen. Der Spiegel lag zertrümmert in der Badewanne. In ihrem Tagebuch hatte sie minutiös protokolliert, welche Aktivitäten sie in den Wänden wahrgenommen hatte. Rascheln, Kratzen, Schnaufen, geflüsterte Worte manchmal. Mr. Myers machte Fotos, schrieb hastig Notizen auf seinen Block, stellt dutzende Fragen und war an einfach allem interessiert, was in irgendeiner Weise mit dem Haus und seiner Geschichte zu tun hatte.

Ms. Eggleston war verrückt gewesen, daran bestand kein Zweifel.

Die Geräusche in den Wänden ließen sich schnell auf Ratten zurückführen, die sich in dem jahrzehntealten Gemäuer niedergelassen hatten. Böse Zungen behaupteten, dass einzig die Ratten das Gebäude noch vor dem Einsturz bewahren würden, so löchrig sei das Mauerwerk. Ein Kammerjäger wurde bestellt und lieferte sich einen mehrere Tage andauernden Kampf mit einer Schar Ratten. Mr. Michaels kommentierte die Bemühungen lapidar damit, dass man es entweder mit sehr intelligenten Ratten, oder einem ausgesprochen dummen Kammerjäger zu tun haben musste. Einige hundert tote Ratten später kehrte wieder Ruhe ein im Haus in der Solomon Street 124. Ms. Egglestons Wohnung wurde renoviert und neu vermietet.

Gestern dann brach das Feuer aus. Vom Brandherd im Keller griff es schnell auf die erste Etage über und fraß sich erbarmungslos nach oben. Mitten in der Nacht wurden die glücklicheren Bewohner der Solomon Street 124 von Rauchschwaden geweckt und versuchten panisch das Gebäude zu verlassen, während die weniger Glücklichen in ihren Betten erstickten oder Opfer der gierigen Flammen wurden. Irgendjemand hatte die Feuerleitern sabotiert, den Haupt- und Notausgang versperrt und große Mengen Benzin im Keller und im Hausflur ausgeschüttet. Achtzehn Menschen starben in dieser Nacht.

Als man Stunden später die völlig verkohlte Leiche von Jonah Myers im Keller fand, hielt er noch das Feuerzeug in seinen bis auf die Knochen heruntergebrannten Händen. Der Feuerwehrmann, der die Leiche entdeckte, sagte aus, auf dem Gesicht des Toten hätte ein Lächeln gelegen.

Und nun zu Ihnen.

Vielleicht fragen Sie sich, warum ich Ihnen all das erzähle. Vielleicht fragen Sie sich, was das mit Ihnen zu tun hat. Nichts, werden Sie sagen. Doch das ist eine Lüge. Und das wissen Sie.

Diese Momente des Zögerns, des Zweifelns, der Unsicherheit sind es, die mich anziehen. Jede Notlüge, jedes Verschweigen, jedes stille Aufkeimen eines Konflikts tief in Ihnen, jedes unausgesprochene Wort des Hasses, jede in der Tasche geballte Faust, jede unterdrückte Emotion lassen mich näher kommen. Näher zu Ihnen.

Ich kenne die misstrauischen Blicke, das Getuschel hinter vorgehaltener Hand, die spöttischen Bemerkungen, das abfällige Lachen, das selbstgefällige Grinsen, die neugierigen Blicke durch den Türspion, das Lauschen an den Wänden und das Warten auf irgendetwas, das eine Beschwerde lohnt.

Ich bin es, der Ihnen das Messer in die Hand legt, wenn Sie bereit sind, jemandem die Augen herauszuschneiden und sie roh herunter zu schlingen, nachdem Sie den Kopf Ihres Opfers mit bloßen Händen vom Rumpf gerissen haben. Ich bin es, der Ihnen dann im Spiegel zeigt, zu welcher Kreatur Sie geworden sind. Ich bin es, der Ihnen die Schlinge reicht, wenn Sie erkennen, dass Ihr Leben nur aus Verzweiflung und Einsamkeit besteht. Ich bin es, der den Funken schlägt, wenn Sie Flammen suchen.

Ich bin es, vor dem die Ratten fliehen.

Ich bin das Flüstern in der Nacht. Ich bin das Kratzen in den Wänden.

Eines Tages komme ich auch in Ihr Haus. Und dann werden Sie erkennen, was Ihnen gefehlt hat. Der Anstoß, der letzte Impuls.

Seien Sie ehrlich zu sich selbst. Haben Sie noch nie darüber nachgedacht, jemandem Gewalt anzutun? Haben Sie noch nie in Gedanken jemandem die Kehle zugedrückt, immer fester und fester? Haben Sie noch nie daran gedacht, wie es sein muss, ein Messer in lebendes Fleisch zu stoßen? Das Große aus der Küche, das mit der blitzenden Klinge? Auch wenn Ihr Gewissen Ihnen einzureden versucht, dass das für Sie unvorstellbar sei, auch wenn Sie jeden Gedanken daran vertreiben möchten, so ist es doch zutiefst menschlich. Schämen Sie sich nicht dafür.

Sie sind, wie Sie sind.

Und irgendwann in der Nacht werden Sie meine Stimme hören. Leise zunächst. Doch mit jeder Stunde, jedem Tag, jeder Woche werden meine Worte lauter: Tun Sie es. Tun Sie es.

Klingelt es gerade irgendwo in Ihrem Haus? Klopft ein Fremder an eine Tür? Öffnen Sie kurz, um nachzusehen? Werfen Sie einen schnellen Blick in den Hausflur, weil da irgendein Geräusch war? Ein schmaler Spalt, ein offenes Fenster, ein Riss im Dielenboden – mehr brauche ich nicht.

Kein Klebeband der Welt wird Sie retten vor meinem Flüstern.

Wenn Sie nachts Geräusche in den Wänden hören, denken Sie an mich.

Irgendwann wird das Sie zum Du. Meine Worte werden die eines vertrauten Freundes.

Eines Tages wird meine Stimme zu Deiner.

Und dann ist es mein Gesicht, das uns aus dem Spiegel anschaut.

Träume heute Nacht von Funken, die ein Feuer entfachen.

Tu es.

Tu es.

Tu es!