Alle Artikel in: persönliches

treppenstufen in der dunkelheit

Ich bin jetzt bei Patreon – Crowdfunding-Experiment

Träume und anderer Wahnsinn Vom Schreiben irgendwann leben zu können – wenngleich sicher nicht in Saus und Braus – das ist in der Tat ein Traum. Auch meiner. Doch wie das mit Träumen so ist, zunächst sind sie nichts weiter als die Manifestation von Sehnsüchten, Wünschen und dem unbewussten „irgendwie-nicht-zufrieden-sein“ mit dem, was man hat. Nun könnte ich, wie viele Self-Publisher es tun, darauf setzen, möglichst viel zu schreiben, viel zu veröffentlichen und zu hoffen, dass die Masse allein irgendwann genügend Verkäufe generiert, um davon leben zu können. Ja, könnte ich. Dann würde ich aber einer von denen werden, die ich jeden Tag in Self-Publisher-Gruppen in Facebook sehe – einer von denen, die sich beschweren, warum niemand ihre Bücher kauft, warum das böse Amazon dies oder das (nicht) tut, warum die Leserschaft so undankbar ist – einer von denen also, die andere für den eigenen Misserfolg verantwortlich machen. Ist eher nichts für mich. Ich versuche stattdessen, einen anderen Weg zu gehen. Unter anderem deshalb habe ich Ende letzten Jahres ein Profil bei Patreon angelegt. Dort …

Die Vorzüge des Unglücklichseins

Glücklich sein – was heißt das eigentlich? Was ist Glück? Ist es Erfolg? Ist es ein Zustand, ein Gefühl oder etwas völlig anderes? Um das Unglücklichsein verstehen zu können, muss ich wohl damit beginnen, was es für mich bedeutet, Glück zu empfinden. Glück ist dabei mehr als ein mir zufällig wohlgesonnenes Schicksal, soviel steht fest. Doch was würde ich auf die Frage antworten, was mich glücklich macht? Zunächst vielleicht, dass mir Erfolg, Geld, Anerkennung und dergleichen zwar etwas bedeuten, sie aber vor dem eigentlichen verblassen, was für mich Glück bedeutet: diesen einen anderen, ganz besonderen Menschen gefunden zu haben, der sein Leben mit mir verbringen möchte. Klingt einfach, nicht wahr? Heißt es nicht, dass es zu jedem Topf einen Deckel gäbe? Ich habe mich schon oft gefragt, ob es nicht eine Möglichkeit gäbe, mein Empfinden für Glück auf etwas anderes als die perfekte Person an meiner Seite auszurichten. Es gelingt mir nicht. Beruflicher Erfolg bedeutet, dass ich meine Miete zahlen kann. Künstlerischer Erfolg bedeutet derzeit, dass ich positives Feedback von den Menschen bekomme, die meine Geschichten …

nebliger wald

Novembergedanken

Hätte ich jemals vor, meinem Leben ein Ende zu setzen, ich würde den November wählen. Der Gedanke, gleichsam mit den fallenden Blättern und kahlen Ästen der Bäume, dem trüb-nebligen Morgendunst und den wolkenverhangenen Tagen die eigene Existenz zu beenden, hat etwas Beruhigendes. Versteht mich nicht falsch, ich mag den November. Sehr sogar. Nach dem Mai ist er gleich an zweiter Stelle meiner Lieblingsmonate*. Der Novemberherbst ist für mich immer auch die Zeit im Jahr, die ich für das Nachdenken über mein Leben nutze, etwas, das in den zurückliegenden Jahren oft aufgrund persönlichen und beruflichen Stresses in den Hintergrund getreten war. Dabei ist es wichtig, das merke ich immer dann besonders, wenn es mir eine zeitlang nicht gut geht. Unruhig, unentschlossen, schwer zu motivieren, oft zurückgezogen … die andere Seite des stets gut gelaunten Dozenten, der tagsüber Menschen alle möglichen Dinge erklärt, immer einen Witz auf den Lippen hat und scheinbar nie den Spaß an der Arbeit verliert. Mein Arbeits-Ich ist dabei keine Maske, die ich aufsetze und zu Hause ablege, aber es zeigt dennoch nur einen Teil …

Rosenblüte schwarz weiß auf schwarzem Hintergrund

„Susan“ erscheint demnächst bei Amrûn

Es gibt sie, diese Geschichten, die ich schreibe, um Gedanken, Gefühle, Träume oder Ängste zu verarbeiten. In fast allem, was ich so zu virtuellem Papier bringe, finden sich Elemente aus meinem Leben, reale oder herbeigesehnte, positive oder negative. Manchmal trage ich solche Dinge lange mit mir rum und weiß nicht, wie ich damit umgehen soll. Autoren kennen das: Man hat da irgendwo in einer Windung des Verstandes eine Idee, eine vage Vorstellung von etwas, das man noch nicht konkretisieren kann. Oder man schleppt emotionalen Ballast mit sich herum, den man nicht loswerden kann. Schreiben hilft dabei. Es ist wirklich so, als könnte man diese Gedanken aus dem Kopf extrahieren, sie aufschreiben und dann irgendwo in eine Schublade legen. Oder man schreibt eine düstere, verschachtelte Science-Fiction-Kurzgeschichte, die demnächst im „Amrûn Verlag“ im Rahmen einer Anthologie erscheint (Link etc. folgt, sobald vorhanden). Mit aller Wahrscheinlichkeit sogar noch Ende 2016, wenn ich den gut informierten Kreisen (#verleger) glauben darf. Ich freue mich auf jeden Fall, selbst wenn es doch erst 2017 soweit sein sollte, denn „Susan“, so der …

Eine Frage des Preises. Oder der Qualität?

Gerade habe ich mal wieder einen Post in einer der Self-Publisher-Gruppen in diesem „Facebook“ gelesen, in dem es darum ging, welchen Preis man z.B. für ein 500-Seiten starkes Buch verlangen sollte. Eine Frage, die ich mir auch schon oft gestellt habe. Der Roman, an dem ich arbeite, wird wahrscheinlich mindestens diesen Umfang haben, ich möchte ihn zwar in einem Verlag veröffentlichen, aber die Diskussion ist quasi dieselbe. Muss ein Buch billig sein, um gekauft zu werden? Oder reicht Qualität? Was sind Leser*innen bereit, für ein gutes Buch auszugeben. Amazon hat bereits vor einer ganzen Weile eine Flatrate eingeführt, genannt „Kindle Unlimited“, bei der man für 9,99 € monatlich alle Bücher lesen kann, die am Programm teilnehmen. „Kindle Unlimited“ ist quasi das Spotify der Schriftstellerei, mit allen Vor- und (aus meiner Sicht) auch Nachteilen. Natürlich hätte ich damit die Chance, auch meine e-Books (denn natürlich gilt das Programm nur für e-Books) ins Flatrate-Programm aufnehmen zu lassen. Doch will ich das? Abseits dieser Flatrate-Idee, die grundsätzlich vielleicht ein zukunftsträchtiges Modell ist (immerhin kaufe auch ich nur noch …

nebliger wald

Wie aus guten Ideen böse Geschichten werden

Ich schreibe ja bekanntermaßen nicht nur Horror (vgl. „Das Alison-Szenario“, „Susan“), aber im Augenblick arbeite ich ausschließlich an gruselig-surrealen Geschichten. Dabei ist für mich eine Sache gleichermaßen aufregend wie faszinierend: das Ausarbeiten einer „bösen“ Grundidee für die Geschichten. Dabei ist „böse“ nicht wörtlich zu nehmen, ich meine eher so eine Art Grundthema, das natürlich in meinen Geschichten letztlich doch immer schräg und mehr oder weniger fies ausfällt. Sagen wir, ich habe eine Grundidee wie in „Endstation“ (grundlegend war es wirklich nur eine sehr kurze Sequenz, nämlich die mit der Hand). Diese Szene war von Beginn an quasi das Zentrum des Plots, auch wenn für den Leser kaum klar wird, dass die Geschichte aus dieser Perspektive entstand. Ich habe dann also eine Idee, die ja allein bei weitem noch keine ganze Geschichte ausmacht. Es müssen also weitere Stränge her, die irgendwie sinnvoll in Beziehung zueinander stehen. Langsam entspinnt sich dann während des Plottens, also des grundsätzlichen Absteckens der Geschichte, ein Netz aus verschiedenen Elementen. Charaktere werden geboren, das Setting verdichtet sich und am Ende ist alles …

Sascha Dinse, Schriftsteller, Urban Horror und Science-fiction

Inspiration: „Jessabelle“

Zugegeben, vom Plot her ist „Jessabelle“ nichts wirklich Besonderes. Geisterkram, ein paar Twists, unheimliche Erscheinungen und ein genretypisches Ende. Doch die Hauptdarstellerin hat es mir angetan, sieht Sarah Snook doch aus wie eine Person, die ich mal sehr, sehr mochte. Als ich durch Zufall über „Jessabelle“ stolperte, war es schon irgendwie merkwürdig, einen Film anzuschauen, in dem die Hauptperson einen die gesamte Laufzeit über an jemanden aus einem früheren Leben erinnert. Merkwürdig, aber auf eine angenehme Art. Dabei hat „Jessabelle“ neben der (zumindest für mich) attraktiven Hauptdarstellerin durchaus einige wirklich gruselige Szenen zu bieten. Beginnt der Film eher ruhig mit nur ein paar unheimlichen Sequenzen, so traf mich die Badewannenszene ziemlich unvorbereitet. Autsch, das war wirklich böse. Einiges zum Ende hin ist schon arg konstruiert, die Atmosphäre ist aber schön creepy, die Schauspieler sind gut gewählt und alles in allem ist „Jessabelle“ ein empfehlenswerter Film für Genrefreunde. Und abschließend noch ein Lied, das mir unweigerlich in den Sinn kam. Erinnerungen und Assoziationen sind schon eine witzige Sache, nicht wahr? Hach.

düsterer Wald

Traumverloren

Ja, das wird einer dieser Schriftsteller-Artikel, die schwer zu verstehen sind. Es gibt sie, diese Träume, die so wunderbar sind, dass man nie mehr daraus erwachen möchte. Dass man sie festhalten, mitnehmen und nie vergehen lassen will. Umso erschütternder ist dann die Erkenntnis, dass diese wundervolle Welt und die Dinge, die sie darbot, nichts weiter sind als eine Ausgeburt des unterbewussten Teils des Verstandes. Ein Ausdruck dessen, was wir uns sehnlich wünschen, was in der tristen Wirklichkeit unerreichbar scheint, und gleichzeitig ein flüchtiges Trugbild, von dem ich nicht sicher bin, ob ich es wirklich sehen wollte, hätte ich die Wahl. Ist es schlimmer, niemals zu bekommen, was man sich wünscht, oder es, einen Augenblick danach sofort zu verlieren? Ich nehme an, dass jeder Mensch verschiedene Arten von Träumen kennt. Die, die man sofort vergisst, sobald man die Augen aufschlägt. Die, die einen schweißgebadet aufwachen lassen, und von denen man sich wünschte, sie gleich wieder zu vergessen. Und dann gibt es noch diese eine besondere Art Traum, die über das Erwachen hinaus erhalten bleibt. Was heißt schon Traum, …

Sascha Dinse, Schriftsteller, Urban Horror und Science-fiction

Urban Horror &
Science-fiction. Eine Erklärung.

Damals, ganz viel früher, da war die Welt noch einfach. Es gab nur eine Handvoll Genres von Musik, Literatur und Filmen, Buchläden hatten ein paar verschiedene Ecken, im Plattenladen gab’s leicht verständliche Sortierungen. Moderne Zeiten und das Internet haben diese Einfachheit in etwas verwandelt, das nur als Überdifferenzierung beschrieben werden kann – buchstäblich jeder Künstler erfindet für sich selbst ein quasi eigenes Genre, um sich, wenn schon nicht unbedingt qualitativ, so doch durch die Genrezuordnung abzuheben. So gibt es (mein persönlicher „Favourit“ übrigens) das Genre der sog. „Chick Lit“, Mädchen- und Frauenliteratur, häufig sehr kitschig, pseudo-erotisch und wirklich teils sehr banal. Angrenzend gibt’s dann jede Menge weitere Genres, allesamt hübsch marketingwirksam zusammengesteckte Begrifflichkeiten. Ökonomisch ist das sicher sinnvoll. Im völlig überschwemmten Markt, besonders im Bereich Self-Publishing, ist es heute viel schwerer geworden, sich gegen die Konkurrenz zu behaupten. „Urban Horror“ – Was zur Hölle soll das denn sein? Erzähle ich jemandem, dass ich Kurzgeschichten schreibe, stellt sich wohl jeder was anderes darunter vor. Erzähle ich indes, dass ich Horror schreibe, nun ja, auch dann stellt sich jeder noch was …

Sonnenuntergang in Berlin, Spreeufer

Political Correctness? Is’ mir egal.

In meinem derzeitigen Hauptberuf als Dozent für Social Media und derartiges habe ich jeden Tag hautnah Kontakt mit Shitstorms, öffentlicher Aufregung, Skandälchen und Skandalen, die in den sozialen Netzwerken durch die Gegend schwappen. Schnell ereifert sich die Netz-Öffentlichkeit über vermeintlichen Sexismus, erschafft Hashtags wie #einearmlänge, stolpert über politisch nicht korrekte Äußerungen, während auf der Gegenseite die „besorgten Bürger“ in genau die entgegengesetzte Richtung argumentieren hetzen. Soweit, so Facebook. Beispiel? Gern. Vor einiger Zeit veröffentlichten die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) einen Musikclip, der Mitarbeiter*innen der BVG als weltoffen darstellen sollte. Musikalisch … sagen wir, Geschmacksache … kam der Clip überwiegend gut an. Hier das Video zu „Is’ mir egal“. Sicher nicht Grammy-verdächtig, aber auch nicht total schlecht. Lässt mich zwar emotional kalt, aber das liegt vielleicht an mir. Was geschah nach der Veröffentlichung? Die Netz-Öffentlichkeit war größtenteils amüsiert, die BVG hatte ihr Ziel erreicht, für einige Tage mal positiv (!) in aller Munde zu sein. Ich als Berliner kann sagen, dass das eher selten der Fall ist. Doch die TAZ titelte kurz darauf: „Alles Weiße? Is’ nich’ …