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Eine Frage des Preises. Oder der Qualität?

Gerade habe ich mal wieder einen Post in einer der Self-Publisher-Gruppen in diesem „Facebook“ gelesen, in dem es darum ging, welchen Preis man z.B. für ein 500-Seiten starkes Buch verlangen sollte. Eine Frage, die ich mir auch schon oft gestellt habe. Der Roman, an dem ich arbeite, wird wahrscheinlich mindestens diesen Umfang haben, ich möchte ihn zwar in einem Verlag veröffentlichen, aber die Diskussion ist quasi dieselbe. Muss ein Buch billig sein, um gekauft zu werden? Oder reicht Qualität?

Was sind Leser*innen bereit, für ein gutes Buch auszugeben. Amazon hat bereits vor einer ganzen Weile eine Flatrate eingeführt, genannt „Kindle Unlimited“, bei der man für 9,99 € monatlich alle Bücher lesen kann, die am Programm teilnehmen. „Kindle Unlimited“ ist quasi das Spotify der Schriftstellerei, mit allen Vor- und (aus meiner Sicht) auch Nachteilen. Natürlich hätte ich damit die Chance, auch meine e-Books (denn natürlich gilt das Programm nur für e-Books) ins Flatrate-Programm aufnehmen zu lassen. Doch will ich das?

Abseits dieser Flatrate-Idee, die grundsätzlich vielleicht ein zukunftsträchtiges Modell ist (immerhin kaufe auch ich nur noch wenig Musik, seit ich Spotify benutze) möchte ich natürlich auch Geld mit meinen Büchern verdienen. Bei Spotify ist es ja so, dass ein Musiker quasi weltweit jeden Tag 24 Stunden lang gespielt werden müsste, um damit Geld zu verdienen. Gerade für kleinere Bands ist Spotify allenfalls ein Weg, um bekannter zu werden, Geld verdienen sie damit nicht. Bei Kindle Unlimited ist es ähnlich. Man kann daran teilnehmen und wird anteilig nach gelesenen Seiten bezahlt. Klingt ja erst mal nicht so übel. Für mich wäre das allerdings ein nicht sonderlich attraktives Modell. Der Grund dafür ist einfach: Bei KU (ich kürze das mal ab) verdienen die, die entweder sehr viele einzelne Werke online haben, die seeeeeeehr umfangreiche Bücher schreiben (die manchmal voller fieser Tricks stecken, um das System abzuzocken) oder schlicht gerade so unglaublich populär sind, dass ihr Buch enorm häufig gelesen wird. All dies trifft auf mich (noch!) nicht zu. Ich schreibe weder viel, noch lange Bücher, noch bin ich bekannt. Wäre es also für mich sinnvoll, einige meiner Geschichten bei KU einzustellen, weil ich damit vielleicht bekannter würde? Ich glaube es nicht.

Denn, und hier kommt meine persönliche Sicht ins Spiel, ich empfinde Flatrates in gewissem Maße als Entwertung. Wenn ich einen Roman für 0,99 € kaufe, habe ich dann das Gefühl, etwas Wertiges zu bekommen? Vielleicht, aber ich bezweifle es. e-Book hin oder her. Ich bin generell durchaus bereit, für Qualität einen angemessenen Preis zu zahlen. Ein Buch, in dessen Erstellung der/die Autor/in viel Zeit, Recherche und Herzblut gesteckt hat, kann doch am Ende nicht nur 0,99 € wert sein? Bei Kurzgeschichten kann ich das eher nachvollziehen, wobei ich für z.B. „Endstation“ einen Preis von 1,99 € durchaus angemessen finde. Es steckt so viel Zeit und Hirn in der Geschichte, dass man sie mehrmals lesen kann (und sollte!), bis man alle Kleinigkeiten verstanden hat. Auf einer Lesung brauche ich mehr als eine Stunde, um „Endstation“ vorzulesen, und ich kenne die Geschichte ja bereits. Selbst einen Film zu leihen ist teurer, wenn man diesen nicht nur einen Tag, sondern etwas länger behalten will. Und ich kann versprechen, dass ich mir über meine Plots mehr Gedanken mache als mancher Regisseur (ach, ich könnte hier schon wieder …. aber ich lasse es).

Wie sollte ich nun also meine Werke bepreisen? Konkret plane ich für Ende 2016 die Veröffentlichung meiner ersten komplett eigenen Anthologie mit Horrorgeschichten, einen interessierten Verlag habe ich sogar schon. Also kein Self-Publishing, sondern eine richtige Verlagsveröffentlichung. Beim Print wird sich meine Anthologie natürlich nicht in 0,99 €-Gefilden bewegen, doch selbst das e-Book möchte ich nicht verramscht wissen. Ich halte es da ganz einfach: Wer keinen angemessenen Preis für meine kreative Arbeit zahlen möchte, der tut es einfach nicht. Fertig.

Müsste ich jedoch vom Schreiben leben (was sehr schwierig bis unmöglich sein dürfte in der Richtung, die ich schreibe), sähe das anders aus. Könnte ich es mir dann leisten, hochmütig zu sein und einen angemessenen Preis zu verlangen, während draußen die 0,99-Euro-Maxime gilt? Vielleicht nicht. Würde ich es trotzdem tun? Wahrscheinlich. Ich empfinde es nicht als überteuert, für einen Roman 9,99 Euro zu bezahlen, selbst im e-Book-Format. Für ein Buch, das mich tage- wenn nicht wochenlang unterhält, vielleicht emotional berührt, aus mir einen anderen (nicht zwangsläufig besseren) Menschen macht, können doch knappe zehn Euro nicht zuviel sein … in einer Zeit, in der Menschen kein Problem haben, sechs Euro für einen Kaffee-meets-irgendwas-Drink bei Starbucks auszugeben. Natürlich gibt es auch heute Romane, die als Hardcover deutlich teurer sind, aber wer kauft die? Das funktioniert nur, wenn man bereits bekannt ist, und selbst dann nur bei der Kundschaft, die Geld ausgeben möchte. Ich bin eher Fan der Paperback-Varinte zum moderaten Preis.

Und ja, mir ist die Qualität wichtiger als der Preis.

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1 Kommentare

  1. Weltenbruch sagt

    Sehe ich 100% genauso. Das Problem ist halt nur, dass der Markt gigantisch ist und wenn man nicht schon einen Namen hat, es (wie du auch sagtest) verdammt schwer ist sich durchzusetzen, vor allem mit gewissen Preisvorstellungen (die Zufallskäufe werden eben immer weniger). Aber Geduld wird sich irgendwann auszahlen 🙂 Ich denke, man sollte einfach versuchen alle seine Möglichkeiten zu nutzen, um treue Leser zu finden – Blogs, Youtube, usw. Es gibt ja genug.
    Persönlich gebe ich tatsächlich lieber eine längere Geschichte umsonst raus, als für 99 Cent – ist aber ein ewigkomplexes Thema.

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