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Warum gute Geschichten Zeit brauchen

Sascha Dinse, goth as fuck :P Schriftsteller Horror und Science-Fiction

Da sitze ich also hier und versuche, das Ende einer Geschichte zu Papier zu bringen. Ich weiß in der Tat bereits, wie die Geschichte enden wird, aber der Weg dahin … der ist beschwerlich. Schließlich soll ja alles passen, rund sein, nichts vorwegnehmen, trotzdem schon Anspielungen enthalten, Twists bieten, keine Plotholes erzeugen und so weiter. Jaja, kaum hat man einen gewissen Anspruch an sich selbst, werden alle Dinge komplizierter. Vor allem dauern sie länger. Die Geschichte, an der ich gerade arbeite, „Ex inferis“, ist ein schönes Beispiel dafür. Die Grundidee war recht simpel, doch mit der Zeit entwickelten sich Stränge, quasi von selbst, als hätte die Geschichte selbst sie hervorgebracht. Allein darüber könnte ich schon wieder eine Geschichte schreiben. Aber lassen wir das. Nun ja, es beginnt mit einer Grundidee, diese wird dann aufgeschrieben, eine Geschichte entsteht. Und dann kommt er, dieser magische Moment, in dem sich alles umdreht, in dem alles plötzlich so viel mehr wird, als es vorher war. Ich liebe und hasse diesen Augenblick, denn zum einen bedeutet er zwar, dass von nun an die Geschichte komplex und vielschichtig wird, zum anderen beginnt aber ab hier der anstrengende Teil. Wenn dir deine Lektorin dann schreibt, dass sich von der 80%-Version der Geschichte vollkommen begeistert ist, dann macht es die Aufgabe, einen vernünftigen Schluss zu schreiben, nicht gerade einfacher, besonders wenn man selbst sein größter Kritiker ist.

Wenn es nicht lange dauert, ist es nicht gut

Ja, so simpel könnte ich es ausdrücken. All meine Geschichten brauchen eine gewisse Reifephase, in der ich sie besser mache, zu mehr, als sie vorher waren. Ob nun in „Endstation“, das zum Ende hin zu einer ultra-philosophischen vielschichtigen Geschichte mit Metaplot wurde, wobei es als recht lineare Idee begann, oder „Isabelle“, an der ich insgesamt über ein Jahr gearbeitet habe (mit großzügigen Pausen, gebe ich zu).

„Ex inferis“ nun ist genau so ein Beispiel. Von der ursprünglichen Idee hat die Geschichte sich immer mehr entfernt und gerade heute wurde mir klar, wie ich mich in Richtung Ende bewegen muss. Ich kann versprechen, dass es diesmal ein wirklich böses Ende wird. Auch wenn ich überwiegend Horror schreibe im Moment, enden die Geschichten doch oft mit einer positiven Note, also irgendwie. Ich kann nachvollziehen, dass die Leser*innen diese Ansicht nicht unbedingt teilen, aber ich verbinde mit den meisten Geschichten, allen voran „23b“ durchaus ein positives Ende. Aber das ist wohl Geschmacksache.

Das Ende ist das, worauf es ankommt

Gerade in Horrorgeschichten ist das Ende meist das, was dem Leser später noch im Gedächtnis bleibt. Umso wichtiger ist es, ein angemessenes, überraschendes und doch schlüssiges Ende zu finden. Klingt einfach. Ist aber schwer. Denn wie soll ich etwas beenden, das sich meiner Kontrolle zum einem gewissen Teil entzieht? Ich weiß, wie „Ex inferis“ enden wird, aber die letzten vier, fünf Seiten sind die schwersten. Es soll düster sein, nicht zuviel verraten, gleichzeitig aber nicht so undurchsichtig sein, dass niemand es versteht. Das ist bei weitem schwieriger, als es klingt.

Und so heißt es dann morgen, die Ideen zusammenzufügen zu einem Ende, das der Geschichte würdig ist. Irgendwie ist es aber so, als würde man etwas verlieren, wenn man eine Geschichte beendet. Solange man daran arbeitet, ist man Teil davon. Sobald sie aber fertig ist, ist man nur noch Betrachter. Das mag seltsam klingen, aber ich glaube, das ist ein Teil meines Problems. Ich kann schlecht loslassen, besonders, wenn es sich um etwas handelt, das direkt von mir stammt.

Aber natürlich wird auch „Ex inferis“ genau das richtige Ende bekommen. Es ist eben nur eine Frage der Zeit.

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