Tipps von anderen? Niemals! Arroganz? Vielleicht.


Sascha Dinse, SchriftstellerIch halte mich eigentlich nicht für einen arroganten Typen. Doch weiß ich von mir, dass ich Dinge, die mir wirklich am Herzen liegen, lieber allein mache, ohne Hilfe von anderen. Seien es das Erreichen bestimmter Dinge in Computerspielen (hier bin ich der absolute Self-Found- und No-Cheat-Spieler) das berufliche Vorankommen (ich bin nicht umsonst Freiberufler) oder eben das Schreiben.

Ich bin mittlerweile Mitglied in etlichen Facebook-Gruppen, in denen sich andere Autoren untereinander austauschen, was ihre Werke angeht, Fragen zu Rechtschreibung und Grammatik klären und sich gegenseitig bei Formulierungen helfen. Besonders letzteres würde ich NIE in Anspruch nehmen. Meine Geschichten sind *meine* Geschichten. Ich bastle so lange daran rum, bis sie *mir* gefallen. Vielleicht ist das eine arrogante Einstellung, weil ich davon ausgehe, dass mein Geschmack, mein Talent und mein Schreibstil gut sind, aber eher friert die Hölle zu, bevor ich in einer Facebook-Gruppe frage, wie ich einen bestimmten Satz formulieren soll. Das ist es ja gerade, was das Schreiben für mich faszinierend macht: Die Möglichkeit, etwas völlig selbst zu erschaffen, Welten, Personen, Handlungsstränge, Formulierungen.

Versteht mich nicht falsch: Ich habe gar nichts dagegen, dass sich andere darüber austauschen und sich Tipps geben. Aus meiner Sicht ist das für einen eigenen Stil einfach nicht zuträglich. Sobald ich Tipps von anderen einbaue, verwässere ich meinen Stil, passe mich an, gebe etwas von meiner Individualität auf. Abgesehen davon gibt es sehr viele Autoren da draußen, die stilistisch in einer Art und Weise schreiben, die mir nicht gefällt. Das hat nun nichts mit Arroganz zu tun, sondern einfach damit, dass nicht jedem alles gefallen muss.

Beispiel für meinen Schreibstil: Ein Auszug aus „Susan“, einer Sci-fi-Kurzgeschichte.

auszug aus "susan", science-fiction kurzgeschichte von sascha dinse

Mit anderen gemeinsam an einem Projekt arbeiten … schwierig. Ich habe einfach einen Anspruch an meine Geschichten, der sehr hoch ist. Vieles von dem, was andere Autoren als Leseproben oder sogar als fertige Bücher (!) veröffentlichen, würde ich noch nicht mal als alpha-Draft-Version bezeichnen. Damit meine ich nicht nur die oft voller Rechtschreibfehler steckenden Self-Publisher-Veröffentlichungen, sondern auch nicht zu Ende gedachte Plots, einseitige Charaktere und so etwas. Natürlich gibt es einen (für mich immer wieder erschreckend großen!) Markt für Kitsch, Chick-Lit, Fantasy-Romance-Sparkling-Vampire-Kram, und die Leser*innen dieser Sachen wollen vielleicht auch gar keine komplexen, synapsenverknotenden Plots zum Drüber-Nachdenken – aber das ist einfach nicht mein Publikum.

Vielleicht bin ich doch arrogant. Keine Ahnung. Aber ich will selbst schreiben, selbst ausdenken, selbst formulieren. Auch auf die Gefahr hin, dass andere es vielleicht anders geschrieben hätten. Heute gerade habe ich eine Diskussion darüber mitbekommen, ob man in Geschichten Begriffe wie „Smartphone“ oder bestimmte Markennamen verwenden sollte. Meine Meinung: Ich vermeide alles, was zu konkret ist. Ich nenne keine Markennamen, keine realen Orte. Die Städte, in denen meinen Handlungen spielen, haben nicht mal Namen … einfach, weil es nicht nötig ist. Ein gut beschriebener Moloch einer Großstadt – das reicht. Namen sind Schall und Rauch, werden oft nur eingesetzt, damit der Leser sich etwas vorstellt, was der Autor anders nicht zu vermitteln mag. Eine Frage des persönlichen Stils.

Hinweise von Lektoren zu Dingen, die Leser möglicherweise nicht verstehen – das ist natürlich was anderes. Ich bin ja nicht komplett beratungsresistent 😛

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4 Antworten zu “Tipps von anderen? Niemals! Arroganz? Vielleicht.”

  1. Oh bitte, lass dir niemals in deine Texte reinreden, bzw. lass dir niemals sagen wie „man“ als Autor dies oder jenes macht. Denn: Es gibt im Schreiben niemals allgemeingültige Regeln. Okay, es gibt ein paar Regeln, aber diese sind natürlich auch dazu da gebrochen zu werden! Ich halte es nicht für arrogant, zunächst mal einen eigenen Geschmack zu entwickeln, einen eigenen Stil, eine Idee davon, wie man selbst sich am besten ausdrücken kann. Das entsteht eigentlich ganz von alleine, wenn man viel liest und viel schreibt. Man probiert rum, was am besten passt. In einem Punkt widerspreche ich dir aber: Irgendwann ist sicherlich der Tag gekommen, an dem man alleine nicht mehr weiterkommt. Dann braucht es einen Blick von außen, jemand, der nicht auf einzelnen Formulierungen rumhackt, sondern Strukturen erkennt und dir widerspiegelt, was sie bewirken. Ganz einfach. Und plötzlich weiten sich die eigenen Möglichkeiten beim Schreiben – nicht, weil man plötzlich so schreibt, wie ein anderer das von einem möchte – sondern, weil man etwas gelernt hat und neue Möglichkeiten gewinnt, rumzuprobieren. Ich glaube, genau deshalb schreiben so viele in ihrem Blog über das Schreiben – in der Hoffnung, klüger darüber nachdenken zu können und etwas dazuzulernen. Du vielleicht auch? 😉

    • hallo, danke für deinen kommentar 🙂
      ich bin da komisch. bevor ich jemand anderem was zum lesen gebe, weil ich an einer stelle nicht weiterkommen, lasse ich es lieber eine weile liegen und hole es später noch mal raus. der input von anderen macht das geschriebene irgendwie unecht … verstehst du, was ich meine? natürlich gibt es ausnahmen. wenn eine unterschwellige anspielung zu subtil ist, nicht verstanden wird, dann passe ich das nach feedback natürlich an. aber ich würde nie jemandem etwas geben, weil ich selbst nicht weiterkomme.

      was die regeln angeht: ich schreibe einfach immer aus der ich-perspektive und im präsens, weil ich das als einzige wirklich packende erzählform empfinde. ansonsten bin ich das recht regelkonform. natürlich ist das schreiben über das schreiben eine art lernprozess, weil man sich dinge noch mal vergegenwärtigt. für mich ist aber gerade die herausforderung, etwas völlig allein zu erschaffen. wenn man es dann noch hinbekommt, über mehrere geschichten hinweg ein universum aufzubauen (spoiler! ^^) und dieses auch im kommenden roman aufzugreifen, dann fühle ich mich gut.

      • „der input von anderen macht das geschriebene unecht“ – ich kenn das irgendwie, dieses merkwürdige unbehagen, wenn einem andere versuchen, in den eigenen text „reinzureden“ oder verbesserungsvorschläge zu machen.

        meine vermutung: vielleicht hat das was mit meinem eigenen inneren kritiker zu tun, der völlig irritiert ist, wenn ich auch noch kritik von außen bekomme. ich stell mir das so vor: ich hab eine version geschrieben, die mir wirklich gut gefällt und ich hab es geschafft, meinen eigenen inneren kritiker zu „zähmen“ und er friedlich schlummert und dann kommen andere kritiker von außen und wecken meinen inneren kritiker auf, der dann ganz panisch hin und her läuft, weil er überlegt, ob die anderen nicht doch vielleicht recht haben und ob das, was ich geschrieben habe, wirklich gut ist, und ob ich nicht vielleicht DOCH sterben werde, wenn mein text nicht so gut ist, wie ich dachte.

        das bedeutet auch: je besser mein verhältnis zu meinem inneren kritiker ist und je entspannter ich mit ihm umgehe, desto entspannter kann ich auch reagieren, wenn andere etwas zu meinem text sagen, wenn sie alternativ- oder verbesserungsvorschläge haben, wenn sie meinen text mit anderen augen sehen, als ich ihn sehe.

        hmm… bin mir nicht sicher, ob das eine gute antwort auf deinen kommentar ist und ob ich den punkt getroffen, oder genau daneben gezielt habe… egal! hauptsache du lässt dich nicht vom schreiben abhalten.

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