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Life is Strange – mehr als ein Spiel

Seit langem schon hat mich kein Computerspiel mehr emotional so berührt wie „Life is Strange“. Fünf Episoden lang führte ich Max Caulfield durch das Küstenstädtchen Arcadia Bay, hatte Visionen einer zerstörerischen Zukunft, fand eine alte Freundin wieder, musste Entscheidungen treffen und am Ende … wünschte ich, dass ich noch mehr Zeit mit Max und Chloe verbringen könnte. Im letzten Akt des Spiels, der übrigens selbst im Gegensatz zum Rest der Story (in der schon Zeitreisen, Entscheidungen über Leben und Tod, Butterfly-Effect-mäßiges Verändern der Wirklichkeit und einiges mehr vorkam) mal so richtig schräg war, fragte ich mich die ganze Zeit über, wie es wohl enden würde.

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Dass mich eine Geschichte mitnimmt, merke ich oft daran, dass ich zu den unmöglichsten Zeiten daran denken muss. So ging es mir beispielsweise bei „Dead Space“, einem sehr blutigen und sehr düsteren Sci-fi-Horror-Survivalspiel, das eigentlich gar keine so komplexe Geschichte erzählte. Aber der Hintergrund, die Unitology-Church, die Necromorph, der Marker, die geheimnisvolle Alienschrift und all das zogen mich sehr in ihren Bann. Nicole is dead, by the way.

Und so begab es sich nun, dass ich vor ein paar Tagen ein paar seltsame Dinge träumte. Es ging um Arcadia Bay und ich versuchte händeringend, sowohl das kleine Küstenstädtchen, als auch meine Freundin Chloe zu retten. Ich war nicht Max, und doch war ich Max. Ja, so ist das mit Träumen. Selbst völlig surreale Dinge erscheinen und dort absolut legitim. Leider bin ich aufgewacht, bevor ich eine Lösung für das Dilemma finden konnte.

„Life is Strange“ ist für mich, der sonst Adventures ob ihres geringen Wiederspielwerts kaum etwas abgewinnen kann, ein absolutes Ausnahmespiel. Ach, was sage ich, es ist viel mehr als ein Spiel, es ist ein Kunstwerk. Dabei besticht es nicht durch perfekte Grafik oder einen actionbetonten Spielablauf, sondern durch glaubhafte Charaktere, eine Geschichte voller Überraschungen, tolle Musik, nachdenkliche Augenblicke und jede Menge Atmosphäre. Dass ich es im ersten Durchlauf nicht geschafft habe, Kate zu retten, hat mich tatsächlich schockiert. Es musste doch möglich sein, das konnte doch nicht einfach so passieren, ich habe doch alles getan, damit sie nicht springt … nun ja, vielleicht nicht alles.

Das Spiel steckt voller Anspielungen auf das große Vorbild „Twin Peaks“. Seien es Eulen, die an manchen Stellen auftauchen, seien es die Worte „Fire walk with me“ auf einem Spiegel oder sei es das „Two Whales Diner“, das dem „Double R“ aus David Lynchs Kultserie nachempfunden ist. „Life is Strange“ ist eine Verbeugung vor diesem Meisterwerk, die sicher nur diejenigen verstehen, die auch schon mal „Verdammt guter Kaffee!“ gesagt haben und sich darüber wunderten, dass niemand die Anspielung auf Agent Cooper verstanden hat.

Sollte es also noch nicht klar sein: Jeder, der sich nur im Geringsten für sehr gut erzählte Geschichten begeistert und dem Adventure-Genre nicht komplett abgeneigt ist (obwohl ich, wie gesagt, auch keine Adventure-Freund bin), sollte, nein muss!, „Life is Strange“ spielen.

Der nächste Steam-Sale kommt bestimmt. Ihr könnt mir später danken.

 

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