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Urban Horror &
Science-fiction. Eine Erklärung.

Sascha Dinse, SchriftstellerDamals, ganz viel früher, da war die Welt noch einfach. Es gab nur eine Handvoll Genres von Musik, Literatur und Filmen, Buchläden hatten ein paar verschiedene Ecken, im Plattenladen gab’s leicht verständliche Sortierungen. Moderne Zeiten und das Internet haben diese Einfachheit in etwas verwandelt, das nur als Überdifferenzierung beschrieben werden kann – buchstäblich jeder Künstler erfindet für sich selbst ein quasi eigenes Genre, um sich, wenn schon nicht unbedingt qualitativ, so doch durch die Genrezuordnung abzuheben. So gibt es (mein persönlicher „Favourit“ übrigens) das Genre der sog. „Chick Lit“, Mädchen- und Frauenliteratur, häufig sehr kitschig, pseudo-erotisch und wirklich teils sehr banal. Angrenzend gibt’s dann jede Menge weitere Genres, allesamt hübsch marketingwirksam zusammengesteckte Begrifflichkeiten. Ökonomisch ist das sicher sinnvoll. Im völlig überschwemmten Markt, besonders im Bereich Self-Publishing, ist es heute viel schwerer geworden, sich gegen die Konkurrenz zu behaupten.

„Urban Horror“ – Was zur Hölle soll das denn sein?

Erzähle ich jemandem, dass ich Kurzgeschichten schreibe, stellt sich wohl jeder was anderes darunter vor. Erzähle ich indes, dass ich Horror schreibe, nun ja, auch dann stellt sich jeder noch was anderes drunter vor, aber immerhin gibt es gewisse Gemeinsamkeiten. Doch was für eine Art Horror genau? Splatter? Monster-Horror? Horror-Thriller (wobei ja die wenigsten sogenannten Thriller echte Thriller sind, sondern meist nur gewaltgespickte Voyeurkrimis, aber das ist okay)? Klassischen Horror, wie Lovecraft oder Poe? Ich versuche für meine Richtung den Terminus „Urban Horror“ zu etablieren, auch wenn ich sonst nicht viel von Anglizismen halte … ich finde schlicht keinen besseren deutschen Begriff. „Großstadthorror“ ist irgendwie abgedroschen und passt auch nicht wirklich, weil es grundlegend eher um die Menschen denn um die Stadt geht. „Die Hölle, das sind die anderen.“ Wer „23b“ oder „Endstation“ gelesen hat, wird aber schnell verstehen, warum ich diesen Begriff gewählt habe. Immerhin spielt die Großstadt nicht nur als Schauplatz, sondern letztlich quasi als Nebenrolle immer mit. Im kommenden Roman wird das noch wesentlich deutlicher werden. Es gibt natürlich auch von dieser Regel Ausnahmen, wie „Dunkler Ort“ beweist, aber hier ist immerhin die Verbindung zu mindestens einer anderen meiner Geschichten ersichtlich. #Spoiler

Wo sind die Lichtschwerter?

In der Science-fiction ist es ähnlich. Hier versuche ich, mich von lichtschwertschwingenden Alienhorden und dergleichen weitestgehend zu differenzieren, weil das nicht wirklich meine Schiene ist. Doch „philosophische“ Sciene-fiction finde ich zu anmaßend, „dystopisch“ beschreibt meine Geschichten besser, wenn auch nicht vollumfassend. Ich belasse es derzeit einfach beim Oberbegriff, auch wenn ich damit riskiere, dass ich die Lichtschwertfraktion enttäusche. „Susan“ oder „Das Alison-Szenario“ und auch die kommenden Werke wie „Paragon“ oder „Asche“ werden allesamt eher bodenständig sein, wenn man diesen Begriff bei einem Genre wie Sci-fi überhaupt nutzen kann. Ich schreibe keine märchenhafte Science-fiction (ja, Star Wars, du bist gemeint), auch liegt mir das Einflechten sozialkritischer Bezüge nicht wirklich (Star Trek), ich mag es lieber hintergründig und ja, auch philosophisch, wie „Die Waterson-Konfiguration“ irgendwann einmal beweisen wird. Also mehr „The Outer Limits“ als „Babylon 5“.

Coming soon to a nightmare near you …

Obwohl ich beide Genres (zugegeben eher aus ökonomischen Gründen) trenne, sind Erzählperspektive und Struktur gleich bzw. sehr ähnlich. Auch enthalten fast alle meine Science-fiction-Geschichten Horrorelemente, mal mehr, mal weniger ausgeprägt. „Susan“ ist hier ein sehr gutes Beispiel, beginnt die Geschichte doch eher bizarr und gruselig, bevor sie einen Schwenk in Richtung Sci-fi macht. Grundsätzlich gehe ich beim Plotten und Schreiben genauso vor, egal was für ein Genre ich schreibe. Daher würde ich meine Geschichten auch in einer gemeinsamen Sammlung rausgeben, doch der Markt sagt, dass es sinnvoller ist, sie nach Genres getrennt zu veröffentlichen. Also wird 2016 zuerst eine Horror-Anthologie erscheinen, Endes des Jahres dann eine Sci-fi-Variante. Nicht auszuschließen ist, dass sich Geschichten aus beiden Genres inhaltlich berühren, spätestens der Roman wird ohnehin diverse Stränge verbinden und deutlich machen, dass ich mir durchaus was dabei denke, was ich so schreibe.

Spätestens der Roman selbst wird sowieso jede Genregrenze zwischen Horror und Sci-fi auflösen, da sich mannigfaltige Elemente aus beiden Bereich miteinander verweben. Sowas liest zwar (noch) niemand, aber ich bin ja auch noch lange nicht fertig 😛

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