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Warum ich schreibe

Sascha Dinse, SchriftstellerAuf die Frage, warum ich schreibe, antworte ich meist instinktiv: „Weil ich muss.“ Und das ist die Wahrheit. Nicht weil mich materielle Zwänge oder Personen dazu bringen würden, sondern weil ich das Abwerfen von seelischem Ballast als Ventil brauche. Gerade in Zeiten voller Umwälzungen, voller beruflichem Stress und persönlicher Spannungen, wenn normalen Menschen vielleicht einfach Ablenkung suchen würden, stauen sich in mir Ideen und Gedanken an. Sofern ich diese nicht behelfsmäßig ableiten kann, wird’s schwierig. Abends, direkt vor dem Einschlafen, habe ich oft die besten Plotideen. Irgendwie hat der Verstand den ganzen Tag gearbeitet, aber in der Hektik des Alltags werden Ideen nicht greifbar. Abends, wenn der Stress sich legt, kommen die Ideen an die Oberfläche. Dann greife ich zum Smartphone, werfe Evernote an und mache mir Notizen zu Plots. Das ist entlastend. Ich empfinde es als physisch und psychisch ungemein anstrengend, Ideen unaufgeschrieben, unausgedrückt mit mir herumtragen zu müssen. Umso unerträglicher ist es, diese Dinge lange nicht loswerden zu können.

Plotideen, Charaktere und besonders die oft gemeinen Twists sind quasi eine Manifestation meiner Gefühle, wenn man so will. Sie entstehen ohne mein bewusstes Zutun, manchmal sehe ich irgendwas und zack! ist die Idee da. Doch keine Angst, auch wenn in einer der nächsten Geschichten buchstäblich die Welt untergehen wird, bin ich dennoch ein ausgeglichener und eher ruhiger Typ. Das steht jedoch nicht im Widerspruch zur Tatsache, dass ich durchaus häufig morbide Gedanken habe. Ein wichtiges Motiv in meinen Geschichten ist die Großstadt („23b“, „Susan“, „Endstation“), die mein Lebensraum ist. Nahverkehrsmittel spielen eine tragende Rolle, sie sind für mich die Adern, die durch den Organismus Großstadt laufen. Die Grundidee zu „Endstation“ kam mir, als ich in der U-Bahn saß (und das merkt man der Geschichte auch deutlich an).

Jeder Psychoanalytiker hätte sicher seine helle Freude an meinen Geschichten. Boy-meets-Girl, Projektionen dessen, was ich gern wäre oder leider bin (das ist oftmals nicht so klar), bittersüß bis echt fies – ich glaube, mit ein wenig analytischem Hintergrund könnte man mich lesen wie ein offenes Buch. Ist das schlimm? Ich glaube nicht. Ich bin authentisch in dem, was ich schreibe. Sicher könnte ich für irgendwelche Unsummen an Geld auch was über Glitzervampire oder irgendwelchen Erotikkram schreiben – aber will ich das? Nö. Dann lieber bittersüße Science-fiction oder extrem düsteren Horror mit Alptraumgarantie. Kauft zwar keiner, aber für mich ich es seelische Reinigung und Therapie in einem. Vielleicht dauert es deswegen so lange, bis meine Geschichten fertig werden. Ich schraube ewig dran rum, bis sie in meinen Augen perfekt sind. Manchmal kommen dabei verworrene Handlungssträngen voller doppelter Böden und mit diversen Zitaten heraus (Ja, Endstation, du bist gemeint), die nur Menschen  verstehen, die ähnlich ticken wie ich. Da kann ein Satz mal eine Anspielung auf ein altes Computerspiel sein, da sind Querverweise zu anderen Geschichten versteckt, da wird Bezug zu Sartres Existenzialismus hergestellt, dessen Grundidee quasi den gesamten Plot trägt … und so weiter. Wenn ich etwas mache, das mir wirklich am Herzen liegt, dann bin ich Perfektionist.

Ich schätze Geschichten, die durchdacht sind. Nichts ist schlimmer, als ein seelenlos hingeklatschter, generischer Thriller aus dem Generator. Meine Geschichten hängen zusammen, berühren einander, führen sich gegenseitig weiter – manchmal leicht erkennbar, manchmal subtiler. Und der Roman (coming in 2016) wird eine ganze Menge von Strängen zusammenführen. Und das Beste daran: Nur wer alle anderen Geschichten aus meinem Universum gelesen hat, wird all die kleinen Anspielungen entdecken, Namen, Orte, Personen, die der Handlung letztlich noch mehr Substanz geben.

Und warum mache ich das? Weil ich muss.

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