Alle Artikel in: persönliches

nebliger wald

Wie aus guten Ideen böse Geschichten werden

Ich schreibe ja bekanntermaßen nicht nur Horror (vgl. „Das Alison-Szenario“, „Susan“), aber im Augenblick arbeite ich ausschließlich an gruselig-surrealen Geschichten. Dabei ist für mich eine Sache gleichermaßen aufregend wie faszinierend: das Ausarbeiten einer „bösen“ Grundidee für die Geschichten. Dabei ist „böse“ nicht wörtlich zu nehmen, ich meine eher so eine Art Grundthema, das natürlich in meinen Geschichten letztlich doch immer schräg und mehr oder weniger fies ausfällt. Sagen wir, ich habe eine Grundidee wie in „Endstation“ (grundlegend war es wirklich nur eine sehr kurze Sequenz, nämlich die mit der Hand). Diese Szene war von Beginn an quasi das Zentrum des Plots, auch wenn für den Leser kaum klar wird, dass die Geschichte aus dieser Perspektive entstand. Ich habe dann also eine Idee, die ja allein bei weitem noch keine ganze Geschichte ausmacht. Es müssen also weitere Stränge her, die irgendwie sinnvoll in Beziehung zueinander stehen. Langsam entspinnt sich dann während des Plottens, also des grundsätzlichen Absteckens der Geschichte, ein Netz aus verschiedenen Elementen. Charaktere werden geboren, das Setting verdichtet sich und am Ende ist alles …

Sascha Dinse, Schriftsteller, Urban Horror und Science-fiction

Inspiration: „Jessabelle“

Zugegeben, vom Plot her ist „Jessabelle“ nichts wirklich Besonderes. Geisterkram, ein paar Twists, unheimliche Erscheinungen und ein genretypisches Ende. Doch die Hauptdarstellerin hat es mir angetan, sieht Sarah Snook doch aus wie eine Person, die ich mal sehr, sehr mochte. Als ich durch Zufall über „Jessabelle“ stolperte, war es schon irgendwie merkwürdig, einen Film anzuschauen, in dem die Hauptperson einen die gesamte Laufzeit über an jemanden aus einem früheren Leben erinnert. Merkwürdig, aber auf eine angenehme Art. Dabei hat „Jessabelle“ neben der (zumindest für mich) attraktiven Hauptdarstellerin durchaus einige wirklich gruselige Szenen zu bieten. Beginnt der Film eher ruhig mit nur ein paar unheimlichen Sequenzen, so traf mich die Badewannenszene ziemlich unvorbereitet. Autsch, das war wirklich böse. Einiges zum Ende hin ist schon arg konstruiert, die Atmosphäre ist aber schön creepy, die Schauspieler sind gut gewählt und alles in allem ist „Jessabelle“ ein empfehlenswerter Film für Genrefreunde. Und abschließend noch ein Lied, das mir unweigerlich in den Sinn kam. Erinnerungen und Assoziationen sind schon eine witzige Sache, nicht wahr? Hach.

düsterer Wald

Traumverloren

Ja, das wird einer dieser Schriftsteller-Artikel, die schwer zu verstehen sind. Es gibt sie, diese Träume, die so wunderbar sind, dass man nie mehr daraus erwachen möchte. Dass man sie festhalten, mitnehmen und nie vergehen lassen will. Umso erschütternder ist dann die Erkenntnis, dass diese wundervolle Welt und die Dinge, die sie darbot, nichts weiter sind als eine Ausgeburt des unterbewussten Teils des Verstandes. Ein Ausdruck dessen, was wir uns sehnlich wünschen, was in der tristen Wirklichkeit unerreichbar scheint, und gleichzeitig ein flüchtiges Trugbild, von dem ich nicht sicher bin, ob ich es wirklich sehen wollte, hätte ich die Wahl. Ist es schlimmer, niemals zu bekommen, was man sich wünscht, oder es, einen Augenblick danach sofort zu verlieren? Ich nehme an, dass jeder Mensch verschiedene Arten von Träumen kennt. Die, die man sofort vergisst, sobald man die Augen aufschlägt. Die, die einen schweißgebadet aufwachen lassen, und von denen man sich wünschte, sie gleich wieder zu vergessen. Und dann gibt es noch diese eine besondere Art Traum, die über das Erwachen hinaus erhalten bleibt. Was heißt schon Traum, …

Sascha Dinse, Schriftsteller, Urban Horror und Science-fiction

Urban Horror &
Science-fiction. Eine Erklärung.

Damals, ganz viel früher, da war die Welt noch einfach. Es gab nur eine Handvoll Genres von Musik, Literatur und Filmen, Buchläden hatten ein paar verschiedene Ecken, im Plattenladen gab’s leicht verständliche Sortierungen. Moderne Zeiten und das Internet haben diese Einfachheit in etwas verwandelt, das nur als Überdifferenzierung beschrieben werden kann – buchstäblich jeder Künstler erfindet für sich selbst ein quasi eigenes Genre, um sich, wenn schon nicht unbedingt qualitativ, so doch durch die Genrezuordnung abzuheben. So gibt es (mein persönlicher „Favourit“ übrigens) das Genre der sog. „Chick Lit“, Mädchen- und Frauenliteratur, häufig sehr kitschig, pseudo-erotisch und wirklich teils sehr banal. Angrenzend gibt’s dann jede Menge weitere Genres, allesamt hübsch marketingwirksam zusammengesteckte Begrifflichkeiten. Ökonomisch ist das sicher sinnvoll. Im völlig überschwemmten Markt, besonders im Bereich Self-Publishing, ist es heute viel schwerer geworden, sich gegen die Konkurrenz zu behaupten. „Urban Horror“ – Was zur Hölle soll das denn sein? Erzähle ich jemandem, dass ich Kurzgeschichten schreibe, stellt sich wohl jeder was anderes darunter vor. Erzähle ich indes, dass ich Horror schreibe, nun ja, auch dann stellt sich jeder noch was …

Sonnenuntergang in Berlin, Spreeufer

Political Correctness? Is’ mir egal.

In meinem derzeitigen Hauptberuf als Dozent für Social Media und derartiges habe ich jeden Tag hautnah Kontakt mit Shitstorms, öffentlicher Aufregung, Skandälchen und Skandalen, die in den sozialen Netzwerken durch die Gegend schwappen. Schnell ereifert sich die Netz-Öffentlichkeit über vermeintlichen Sexismus, erschafft Hashtags wie #einearmlänge, stolpert über politisch nicht korrekte Äußerungen, während auf der Gegenseite die „besorgten Bürger“ in genau die entgegengesetzte Richtung argumentieren hetzen. Soweit, so Facebook. Beispiel? Gern. Vor einiger Zeit veröffentlichten die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) einen Musikclip, der Mitarbeiter*innen der BVG als weltoffen darstellen sollte. Musikalisch … sagen wir, Geschmacksache … kam der Clip überwiegend gut an. Hier das Video zu „Is’ mir egal“. Sicher nicht Grammy-verdächtig, aber auch nicht total schlecht. Lässt mich zwar emotional kalt, aber das liegt vielleicht an mir. Was geschah nach der Veröffentlichung? Die Netz-Öffentlichkeit war größtenteils amüsiert, die BVG hatte ihr Ziel erreicht, für einige Tage mal positiv (!) in aller Munde zu sein. Ich als Berliner kann sagen, dass das eher selten der Fall ist. Doch die TAZ titelte kurz darauf: „Alles Weiße? Is’ nich’ …

foto einer schreibmaschine

Die Seele des Schriftstellers

Dass ich von anderen Menschen je nach deren kulturellem Horizont unter Umständen als leicht merkwürdige Person gesehen werde, kann ich kaum bestreiten. Zumeist nehmen mich andere als etwas extravagant gekleidet wahr (was durchaus nachvollziehbar ist … wobei die allermeisten von denen mich noch nie wirklich extravagant gekleidet gesehen haben ^^), ihnen fallen ungewöhnliche (?) Accessoires wie lackierte Fingernägel und dergleichen auf – ich bin halt Goth, was soll ich machen? Erzählt man denen dann, dass man beruflich als Dozent unterwegs ist und parallel düstere Horrorgeschichten schreibt, erlebe ich es häufig, dass Menschen beides nicht so recht überein bringen können. Als wäre es eine seltsame Kombination, auf der einen Seite Menschen etwas über moderne Kommunikation, Soziale Netzwerke, Datenschutz und dergleichen zu vermitteln, und auf der anderen Seite Horror zu schreiben – in meinen Augen sind diese Bereiche sehr eng verwandt. Bin ich also eine Kombination, die nicht zusammenpasst? Oder … aber dazu kommen wir gleich. Die Frage nach dem Sinn Beruflich (und ich trenne das hier bewusst vom schriftstellerischen Schaffen) erhalte ich natürlich Rückmeldungen zu dem, was ich …

Sascha Dinse, Schriftsteller, Urban Horror und Science-fiction

Jack, Jill oder doch einfach Sascha? Pseudonym – ja oder nein?

Pseudonyme sind grundsätzlich etwas Feines. Viele Schriftsteller*innen haben welche, manche verwenden sie ausschließlich, andere nur in bestimmten Bereichen. Ich kann verstehen, dass Autor*innen, die verschiedene Genres schreiben, nicht alles unter ihrem „echten“ Namen oder unter demselben Pseudonym herausbringen möchten. Was mich aber jedesmal auf’s Neue irritiert, ist die Wahl der Namen, die am Ende dabei herauskommt. Ohne hier jetzt ebenjene Namen zu listen, habe ich besonders in diversen Self-Publishing-Gruppen in Facebook schon jede Menge Pseudonyme gesehen, die eher zu Pornosternchen, denn zu halbwegs ernstzunehmenden Autor*innen (ja, ich schließe hier die Männer mit ein) passen würden. Ich bitte vielmals um Entschuldigung, aber das schrammt oftmals haarscharf am Rande der Lächerlichkeit entlang … ich kann Autor*innen, die sich einen derart klischeebeladenen, absichtlich (?) übertriebenen Decknamen zulegen, nicht wirklich ernstnehmen. Vielleicht ist das bei kitschiger Chick-Lit und den ganzen sehr expliziten Erotik-Schreibereien ja Teil des Konzepts, wer weiß? Wenn schon ein Pseudonym, warum muss es denn oft ausgerechnet ein englisch klingender Name sein, den sich vorzugsweise deutsche Autor*innen aussuchen? Ist die Käufer*innenschaft tatsächlich so unfähig, zu einem Buch …

Foto des Setups vor einer Lesung aus "Susan", einer Science-fiction Kurzgeschichte von Sascha Dinse

Nach der Lesung ist vor der Lesung

Was für den Musiker das Spielen vor Publikum, das ist für den Schriftsteller die Lesung. Ich muss gestehen, dass ich sehr viel aufgeregter war, als ich erwartet hätte. Eigentlich verdiene ich meinen Lebensunterhalt derzeit als Dozent, erkläre also Menschen die unterschiedlichsten Dinge, halte Vorträge, moderiere Diskussionen … doch es ist durchaus etwas ganz anderes, aus den eigenen Werken vorzulesen. Das Vermitteln von Lehrstoff oder das freie Sprechen vor vielen Menschen bereiten mir keinerlei Probleme. Doch andere mitzunehmen in meine innerste Gedankenwelt, die nicht nur teils sehr surreal und merkwürdig, sondern eben auch sehr persönlich ist – das fühlt sich anders an. Ohne zu wissen, wie die Geschichte beim Publikum ankommen wird, muss ich in’s kalte Wasser springen und trotz Aufregung und Selbstzweifeln (ich bin bei weitem unsicherer, was meine Kunst angeht, als es nach außen vielleicht den Anschein hat) eine gute Leistung abliefern. Die „12 Grad Aetherloge“ bietet die perfekte Kulisse für eine Science-fiction-Lesung. In der Steampunk-Bar in Berlin Friedrichshain gab ich am 07.01.2016 also „Susan“ zum Besten, eine Geschichte, die so gar nicht Sci-fi-mäßig anfängt, stellenweise …

Endstation einer U-Bahn in Berlin

Also los, 2016. Packen wir’s an!

Frohes Neues erst mal! Das neue Jahr ist noch frisch, gerade mal ein paar Stunden ist es alt, als ich diese Zeilen schreibe. Natürlich könnte ich jetzt seitenlang von guten Vorsätzen und dergleichen anfangen, von Dingen, die ich mir nur deswegen jedes Jahr auf’s neue vornehmen, weil ich sie ohnehin nicht so ernst nehme, wie ich vielleicht denke. Das erspare ich euch an dieser Stelle. Vielmehr soll das hier ein Fahrplan sein, der skizziert, wohin ich mich als Schriftsteller in 2016 bewegen werden. Das Artikelbild zeigt eine Endstation (Berlin, U-Bahnhof Innsbrucker Platz) und soll natürlich auf gleichnamige Geschichte anspielen, die Anfang 2016 veröffentlicht wird und bei der ich hoffe, dass sie ähnlich gut einschlagen wird, wie „23b“ es zuvor vermochte. Noch eine Nominierung für den Vincent Preis wäre schon sehr, sehr schön. Lesungen Wie ihr wahrscheinlich mitbekommen habt, startet mein 2016 gleich mit zwei Lesungen. Diesen sollen viele weitere folgen, ich werde in 2016 an verschiedenen Orten innerhalb Berlins, gern auch anderswo, lesen, meine Kurzgeschichten zum Besten geben, Werbung für mich machen und versuchen, einen gewissen …

Bildschirmfoto Musiksoftware Reason

Aber nun zu etwas völlig anderem … Musik.

Musik ist für mich lebensnotwendig. Wann immer möglich, hole ich mir von ihr Inspiration, nutze sie zur Entspannung oder zum Abtanzen von Stress. Die musikalischen Richtungen, die ich dabei bevorzuge, sind breit gefächert. Von Ambient-Drone-Zeugs, durchaus hörbaren Bands (nicht nur) aus dem Goth-Umfeld, über Goa-Trance und EBM bis hin zu krachigem Industrial ist alles dabei. Je nach Stimmung kommt mal das eine, mal das andere in meinen Player. Es kann schon mal vorkommen, dass auf „Marina and the Diamonds“ (melodischer Pop mit guten Texten) „Cradle of Filth“ (Spaß-Metal) folgt und direkt danach „Man with no Name“ (Goa-Trance). Bunt gemischt eben. Daneben gibt es nur sehr wenige Musikrichtungen, denen ich so gar nichts abgewinnen kann. Gangster-Rap, Schlager, das meiste des Charts-Gesäusels und volkstümliche Musik sind dann doch eher nicht so mein Ding. Wer hätte das gedacht. Obwohl Böhmermanns „Ich hab Polizei“ großes Kino ist. Was ich zum Beispiel beim Schreiben so höre, habe ich ja hier schon mal beschrieben. Wen wundert’s also, dass ich dann und wann, sofern ich mal Zeit finde in meinem viel zu …