Alle Artikel in: persönliches

Auszug aus "Endstation", Horror-Kurzgeschichte von Sascha Dinse

Gutes noch besser machen – Lektorat ftw!

Wie aufmerksamen Leser*innen meines Blogs sicher nicht entgangen ist, wird „Endstation“ Anfang 2016 in der nächsten Ausgabe der „Zwielicht“-Reihe erscheinen. Doch bis es soweit ist, steht noch Arbeit an. Zwar investiere ich viel Zeit in das Konstruieren komplexer Geschichten, die gespickt sind mit Kleinigkeiten, die am Ende alle einen Sinn ergeben, diversen Twists und Enden, die vielleicht kein Leser so erwartet hätte – aber all meine Zeit, mein Herzblut und mein Perfektionismus sollten nicht darüber hinweg täuschen, dass auch ich nur ein Mensch bin. Ich merke das häufig, denn je mehr ich in die Geschichte involviert bin, desto weniger objektiv bin ich, was die Lesbarkeit und Konstruktion angeht. Was jetzt nicht heißt, das meine Geschichten schrecklich zu lesen wären, im Gegenteil (hoffe ich zumindest). Doch ein externer Blick auf das Ganze ist ungemein hilfreich. Daher freue ich mich, wenn die Verlage, die meine Geschichten in Anthologien herausgeben, sich ein gutes Lektorat leisten. Lektorat bedeutet dabei nicht, wie oft angenommen, eine Rechtschreibkontrolle, sondern vielmehr ein Eintauchen in den Kontext, ein Sich-Auseinandersetzen mit der Struktur des Textes. …

Elsenbrücke in Berlin Treptow

Time is not the boss of me. Is it?

Den Kopf voller Ideen, nach einem anstrengenden Arbeitstag müde nach Hause kommen, nur noch auf’s Sofa sinken wollen – das kommt mir mehr als bekannt vor. Jetzt noch schreiben? Ja. Irgendwie schon. Aber es geht einfach nicht. Tagsüber mehrere Stunden am Stück Menschen Dinge erklären (was Spaß macht), viel reden, ständig konzentriert sein, auf Fragen eingehen, mitdenken, kaum eine Sekunde entspannen können, das zehrt weitaus mehr an den vor allem geistigen Kräften, als man es sich vielleicht vorstellen mag. Doch ich will ja schriftstellerisch vorankommen. Aber ach!, wie soll das gelingen. Neben meinem Brotjob als freiberuflicher Dozent habe ich noch eine redaktionelle Nebentätigkeit, die ebenfalls Geld ins Haus bringt. Denn seien wir ehrlich: mit den Genres, die ich schreibe, verdiene ich frühestens in zehn Jahren mal Geld. Surrealer, wirklichkeitsverschiebender Horror und nachdenklich-misanthropische Science-fiction sind nicht unbedingt die Richtungen, die sich weit oben in den Bestsellerlisten finden. Fast bin ich neidisch auf die Autor*innen, die neben einem Job noch jeden Tag die Zeit und Kraft finden, sich dem Schreiben zu widmen. Zwar habe ich mir fest …

Sonnenuntergang in Berlin, Spreeufer

Warum ich schreibe

Auf die Frage, warum ich schreibe, antworte ich meist instinktiv: „Weil ich muss.“ Und das ist die Wahrheit. Nicht weil mich materielle Zwänge oder Personen dazu bringen würden, sondern weil ich das Abwerfen von seelischem Ballast als Ventil brauche. Gerade in Zeiten voller Umwälzungen, voller beruflichem Stress und persönlicher Spannungen, wenn normalen Menschen vielleicht einfach Ablenkung suchen würden, stauen sich in mir Ideen und Gedanken an. Sofern ich diese nicht behelfsmäßig ableiten kann, wird’s schwierig. Abends, direkt vor dem Einschlafen, habe ich oft die besten Plotideen. Irgendwie hat der Verstand den ganzen Tag gearbeitet, aber in der Hektik des Alltags werden Ideen nicht greifbar. Abends, wenn der Stress sich legt, kommen die Ideen an die Oberfläche. Dann greife ich zum Smartphone, werfe Evernote an und mache mir Notizen zu Plots. Das ist entlastend. Ich empfinde es als physisch und psychisch ungemein anstrengend, Ideen unaufgeschrieben, unausgedrückt mit mir herumtragen zu müssen. Umso unerträglicher ist es, diese Dinge lange nicht loswerden zu können. Plotideen, Charaktere und besonders die oft gemeinen Twists sind quasi eine Manifestation meiner Gefühle, wenn …

Berlin Mitte mit untergehender Sonne, Alexanderplatz in Schwarz-Weiß

Eine Frage der Perspektive

Ein Freund meinte vor einiger Zeit zu mir, er hätte das Lesen von „Das Alison-Szenario“ sehr genossen, es sei aber anfangs schwierig gewesen, sich an die Erzählperspektive zu gewöhnen. Dazu muss man wohl kurz erläutern, dass ich stets aus der ersten Person und im Präsens erzähle. Bedeutet, meine Geschichten werden komplett aus den Augen und dem Verstand des Hauptcharakters erzählt. Ich verzichte bewusst auf den alleswissenden Erzähler, der parallel auch die Handlungen anderer Personen darstellt. Und ich mag die Vergangenheitsform nicht. Ehrlich gesagt kann ich nicht mal nachvollziehen, warum „Ich ging die Straße entlang.“ von vielen Lesern als besser (?) empfunden wird als „Ich gehe die Straße entlang.“ Für mich stellt letztere Version die weitaus packendere und direktere Erzählweise dar. Das mag damit zusammenhängen, dass in meinen Geschichten oft nicht so recht klar ist, ob sich alles auch wirklich so abspielt, wie der Protagonist es erlebt, oder ob ihm seine Wahrnehmung nicht doch einen Strich durch die Rechnung macht. Besonders die Schilderung solcher Ereignisse (mit Menschen reden, die eigentlich nicht da sind, zum Beispiel), deren Bedeutung …

Berliner Skyline am Abend

2015 ff. Ein Rück- bzw. Ausblick

2015 war in vielen Belangen ein sehr, sehr merkwürdiges Jahr. Privat Achterbahn, beruflich zwar erfolgreich, aber auch sehr kräftezehrend. Und nun, da sich 2015 dem Ende entgegen neigt, ziehe ich Bilanz. Viel geschrieben habe ich nicht in 2015. Veröffentlicht auch nicht, wenn man mal von „Das Alison-Szenario“ und „Ein neuer Morgen“ im Quasi-Selbstverlag als e-Books absieht. War eher eine Art Testballon. Doch das wird sich ändern. Nägel, Köpfe, und so. Der Relaunch meiner Website inkl. Umzug aus der Cloud auf eigenen Webspace ist der Anfang. Was war, was wird? „Susan“ wird hoffentlich noch dieses Jahr in einer Anthologie erscheinen. Die Geschichte ist seit Ende 2014 fertig, doch allerlei Umstände haben die Veröffentlichung ein wenig in die Länge gezogen. Mit ein wenig Glück gibt’s aber bald eine komplexe Sci-fi-Geschichte zu lesen, die durchaus einiges an Horror-Elementen und natürlich die üblichen WTF?-Twists enthält. Was anderes würde ich schließlich nicht schreiben. Hoffe, das wird dieses Jahr noch was! (Ja, ich meine dich, Amrûn-Verlag) „Endstation“ reiche ich bis Ende des Jahres für die nächste „Zwielicht“-Ausgabe im Frühjahr ein. Mal …

Isabelle, Jill & Zoe - Figuren aus den Kurzgeschichten von Sascha Dinse

Um der Perfektion willen

Wenn ich mir Autor*innen anschaue, die zum Teil mehrere Romane pro Jahr veröffentlichen, bin ich gleichermaßen beeindruckt wie verunsichert. Wie machen die das? Wie schaffen die es, so schnell und gleichzeitig tiefgehend und komplex zu schreiben? Oder machen die das gar nicht, sondern legen mehr Wert auf Masse? Warum brauche ich eine gefühlte Ewigkeit, um auch nur eine einzige Geschichte fertig zu schreiben? Und welches Vorgehen ist besser, sinnvoller, langfristig Erfolg versprechender? Fragen über Fragen. Ich sitze zum Teil an einigen meiner Geschichten Wochen, wenn nicht Monate, bis ich endlich bereit bin, sie in die Welt zu ent- bzw. auf die Leserschaft loszulassen. „Endstation“ hat mich insgesamt Monate gekostet, bis es soweit gereift war, dass ich es als fertig angesehen habe. Zum einen lag das am immer noch aktuellen Zeitmangel, den mein Hauptberuf mit sich bringt, zum anderen weist „Endstation“ eine sehr komplexe Geschichte auf, die sich erst beim mehrmaligen Lesen richtig entfaltet. Zoe ist mir als Charakter so sehr ans Herz gewachsen, dass ich darüber nachdenke, wie ich sie irgendwo anders noch einmal auftreten …

Auszug aus "Endstation", Horror-Kurzgeschichte von Sascha Dinse

Laien, Lektoren und andere Experten

Vor ein paar Tagen entdeckte ich auf Spiegel Online einen Artikel, in welchem ein Lektor sich dazu äußerte, wie viele aussichtlose Manuskripte er jeden Tag auf den Tisch bekommt. Auf Facebook sorgte der Artikel für viel Resonanz, zumindest in diversen Schriftstellergruppen wurde er diskutiert. Vorab vielleicht etwas Persönliches: Ich bin über Facebook mit einer Reihe von Autor*innen in Kontakt, bin Mitglied in einer ganzen Menge Gruppen zu Themen wie Self-Publishing, Verlagssuche und sowas. Was ich dort immer wieder feststelle: viele, sehr viele Autor*innen bewegen sich tatsächlich in einem Bereich, den selbst ich als Nicht-Profi nur als extrem laienhaft beschreiben kann. Ich will in keiner Weise behaupten, dass meine Geschichten „besser“ sind, doch ich lege viel Wert auf Anspruch, Komplexität, Orthographie und Grammatik. Vielleicht riskiere ich damit, meine potentielle Leserschaft zu überfordern und werde niemals reich … wer weiß. Da gibt es die (sorry) ziemlich talentfreien, die aus reiner Begeisterung für das Schreiben tätig sind (was ja in keiner Weise schlecht ist) und offenbar sehr viel erotische (?) Literatur produzieren, die oftmals hart am Kitsch vorbeischrammt. Es …

Tipps von anderen? Niemals! Arroganz? Vielleicht.

Ich halte mich eigentlich nicht für einen arroganten Typen. Doch weiß ich von mir, dass ich Dinge, die mir wirklich am Herzen liegen, lieber allein mache, ohne Hilfe von anderen. Seien es das Erreichen bestimmter Dinge in Computerspielen (hier bin ich der absolute Self-Found- und No-Cheat-Spieler) das berufliche Vorankommen (ich bin nicht umsonst Freiberufler) oder eben das Schreiben. Ich bin mittlerweile Mitglied in etlichen Facebook-Gruppen, in denen sich andere Autoren untereinander austauschen, was ihre Werke angeht, Fragen zu Rechtschreibung und Grammatik klären und sich gegenseitig bei Formulierungen helfen. Besonders letzteres würde ich NIE in Anspruch nehmen. Meine Geschichten sind *meine* Geschichten. Ich bastle so lange daran rum, bis sie *mir* gefallen. Vielleicht ist das eine arrogante Einstellung, weil ich davon ausgehe, dass mein Geschmack, mein Talent und mein Schreibstil gut sind, aber eher friert die Hölle zu, bevor ich in einer Facebook-Gruppe frage, wie ich einen bestimmten Satz formulieren soll. Das ist es ja gerade, was das Schreiben für mich faszinierend macht: Die Möglichkeit, etwas völlig selbst zu erschaffen, Welten, Personen, Handlungsstränge, Formulierungen. Versteht mich …